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Menu Reisebericht
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Um 10.00 Uhr sollten wir von der Mietwagenfirma abgeholt werden, so konnten wir mal wieder richtig ausschlafen. Allerdings waren wir beide schon um 5.30 Uhr wach, die Macht der Gewohnheit.
Der Mietwagenmensch kam erst nachdem wir um viertel nach zehn anrufen liessen. Die ganze Mieterei war eine aufwändige Angelegenheit: Zuerst der Papierkrieg und dann die Übernahme des Wagens. Man zeigte uns die Handhabung des Wagenhebers, überredete uns, einen zweiten Ersatzreifen dazuzumieten und auch eine Kühlbox (letztere wollten wir uns sowieso kaufen, da kam uns die Miete grad entgegen), und gab uns Anweisungen, wo wir überall am Morgen den Flüssigkeitsstand überprüfen sollten. Auch das Einschalten des 4-Radantriebes musste zuerst gelernt sein.
Nach ca. 1.5 Stunden war das Prozedere beendet und wir fuhren los, grad über die Strasse zum Supermarkt. Der Parkwächter war von meinem Trinkgeld so begeistert, dass er uns Super-Security versprach und am Schluss auch noch das Wägelchen zurückbrachte. Wir deckten uns mit Wasser (15 Liter Wasser sollte fürs Erste genügen) und ein paar Snacks für die nächsten Tage ein.
Dann wurde das Navi programmiert und wir waren auf dem Weg zu den Waterberg Mountains. Zu meinem Erstaunen ging das Schalten mit der linken Hand ganz automatisch, einzig mit der Bedienung des Blinkers hatten wir so unsere liebe Mühe, der ist halt auch falsch rum angebracht, was gewaltig stört. Wir mussten zum Glück nicht so oft blinken. Auch schwierig war die Überwachung der Rückspiegel. Da wo der sonst ist, ist hier nichts, so dass ich relativ selten zurückschaute.
Die Fahrt auf dem Highway ging flott voran. Frau Garmin (unser Navi hatte eine weibliche Stimme) wollte uns aber schon kurz nach Windhoek abbiegen lassen, obwohl wir wussten dass wir erst nach ca. 150 km rechts abbiegen mussten. Das Ding lief Amok: Bitte wenden, Neuberechnung folgt, fahren sie, fahren sie, bitte wenden.... Offenbar hat der ein anderes Waterberg Mountain programmiert. Nach etwas Überzeugungsarbeit brachten wir dem Navi die richtige Richtung bei.
Auf der Autobahn, die normalerweise 2spurig ist, durfte man 120 km/h und mit dem wenigen Verkehr war das auch gut möglich. Unser Auto, ein Diesel, war nicht grad sehr gut motorisiert, aber nach einer Weile wussten wir, wie wir die Überholmanöver planen mussten, damit nichts anbrannte. Wir mussten uns auch an neue Strassenschilder gewöhnen, insbesondere der Wildwechsel ist hier mit Antilopen oder Warzenschweinen gekennzeichnet und man muss tatsächlich darauf achten. Zwar nicht oft, aber einmal sind mir tatsächlich Warzenschweine über die Strasse gelaufen.
Wir kamen zur Abzweigung und erstmals auf eine Naturstrasse. Auch da durfte man mit 100 km/h fahren und das war auch durchaus möglich. Etwa eine Stunde fuhren wir dem Waterberg Mountain Massiv entlang und dann kam die Abzweigung zur Waterberg Wilderness Lodge. Das war ein noch kleineres Strässchen, bei dem wir erstmals den 4x4 einschalten mussten. Nach ein paar Kilometern kamen wir bei der Lodge an. Die Lodge gehört einem Deutschen und auch die Gäste waren alle ausnahmslos deutschsprachig.
Die Nachmittagsaktivitäten waren schon vorbei und wir machten nur einen kleinen Spaziergang in der Umgebung der Lodge.
Dann setzten wir uns vor unser Zimmer, ich schrieb am Reisebericht und wir beobachteten die Vögel, insbesondere ein Grey Lourie Pärchen, die sich am Baum vor der Lodge gütlich taten. Diese Vögel heissen auch "Go-Away-Bird", nach ihrem Ruf, den ich aber nicht gehört habe. Den deutschen Namen habe ich auch nirgends gefunden, so wie ich viele Tiere halt nur mit dem englischen Namen bezeichnet habe, weil das der ist, den ich auch von den Guides gehört hatte.
Wir hatten die Wahl, entweder eine Wanderung auf das Plateau der Waterberg Mountains zu unternehmen oder so früh wie möglich loszufahren um mehr Zeit für den Etosha Park zu haben. Wir entschieden uns für letzteres. Wir mussten wieder zurück auf die Autobahn und von da ging es weiter nordwärts zum Park. Unterwegs wurden wir von eine Polizeipatroullie gestoppt. Der Polizist wollte weder den Führerausweis noch die Wagenpapiere sehen, sondern plauderte nur mit uns über unser Tagesziel und was wir im Park sehen wollen, ihm war wohl langweilig.
Gegen Mittag erreichten wir das Von Lindequist Gate, den Ost-Eingang des Etoshaparks, und nur ein paar Kilometer weiter kamen wir im Naumtoni Camp an, wo wir unser Zimmer bezogen. In den Unterlagen stand, dass die Camps im Park nicht sehr komfortabel eingerichtet, in Namutoni Bauarbeiten im Gang seien und der Service nicht sehr zuvorkommend sei. Für Namutoni stimmte das alles nicht. Unser Zimmer war bestens eingerichtet und sauber, der Fahrer, der uns vom Parkplatz zum Zimmer brachte, war sehr zuvorkommend und wartete am nächsten Morgen vor unserem Zimmer um unser Gepäck wieder zum Auto zu rollen (offenbar war das Trinkgeld gut).
Unser Zimmer lag sehr nahe am Wasserloch und wir waren verschiedene Male da, aber nie war etwas Spektakuläres zu sehen.
Namutoni Fort war eine deutsche Polizei- und Militärstation und man sieht dem Hauptgebäude auch an, dass dies früher der Zweck war.
Wir waren gespannt, wie die Game-Drives auf eigene Faust funktionieren, ohne dass ein Führer dabei war. In Etosha war man aber darauf eingerichtet. Die Strassen waren soweit beschildert, dass man die Wasserlöcher problemlos fand, in unserem Reisebuch waren die Wasserlöcher gut beschrieben und wir fuhren von Wasserloch zu Wasserloch und hielten, wo immer wir etwas Spannendes entdeckten und das war oft der Fall. Zum Glück waren nicht viele Touristen unterwegs, so konnten wir immer anhalten, wo wir wollten. Einige der Wasserlöcher waren allerdings ausgetrocknet, aber dann fuhren wir halt einfach weiter.
Statt Impalas, die hier seltener waren als in Botswana, waren die häufigsten Antilopen Springboks. Erst ganz am Schluss der Reise sah ich, weshalb die Springboks so hiessen. Sie sind in der Lage mit allen vier Beinen zur gleichen Zeit abzuspringen und sicher über einen Meter hochspringen und so einen Angreifer verwirren können.
Neben den allgegenwärtigen Springboks sahen wir viele Zebras, Giraffen (lustig ist, wenn man sie Wasser trinken sieht, da müssen sie die Vorderbeine stark einknicken), Impalas, Kudus, Gnus und als neue Art Oryx, die wunderschöne Säbelantilope. Elefanten waren etwas weniger zahlreich als in Botswana, aber Riesentrappen und Strausse waren öfter zu sehen.
Landschaftlich ist der Etoshapark sehr abwechslungsreich und hat verschiedenste Vegetationszonen, Grassavannen und Buschsavannen lösten sich ab, aber in der Ferne ist meistens die Salzpfanne zu sehen und das Flimmern der heissen Luft.
Ein weiterer Unterschied zu den Game-Drives in Botswana war das Auto: Unseres war zu, was zum Vorteil hatte, dass man zwischendurch immer wieder die Klimaanlage laufen lassen konnte und etwas Erleichterung von der Hitze erhielt. Nachteilig war aber, dass man nur einen beschränkten Winkel für die freie Sicht hatte. Das war vor allem beim Fotografieren wichtig, dass man das Auto jeweils an der richtigen Stelle anhielt oder dann halt wieder verstellte. Zum Glück störten sich die Tiere nicht daran, wenn man den Motor anliess.

An diesem ersten Tag im Etosha blieben wir in der Nähe des Namutoni Camps und besuchten die Wasserlöcher Chudop und Kalkheuwel. Die Höhepunkte waren ein Schakal, der sich für uns präsentierte, aber auch Bilder am Wasserloch mit Spiegelungen von trinkenden Tieren oder die Giraffen, wie sie sich am Wasserloch "verbeugten".
Den Sonnenuntergang genossen wir auf der Aussenmauer des Forts und amüsierten uns über die Leute, die sich mit dem Sonnenuntergang im Hintergrund fotografierten. Silhouetten sind auch schön :-). Anschliessend gingen wir gleich zum Essen im Innenhof des Forts. Wir hatten uns für einen Night-Game-Drive angemeldet. Nach Sonnenuntergang durfte man nicht mehr allein das Camp verlassen und so war dies die einzige Möglichkeit nachts die Tiere zu sehen. Wir waren zu Viert mit dem Führer unterwegs, der mit einer roten Lampe die Gegend ableuchten durfte um so die Augen der Tiere zu entdecken.

Wir wünschten uns natürlich, ein Nashorn zu sehen und der Guide meinte, er habe schon ein SMS dafür geschrieben :-). Ich konnte es fast nicht glauben, als das erste Tier, das wir beim ersten Wasserloch zu sehen bekamen, tatsächlich ein Nashorn war. Natürlich war es zu dunkel um vernünftige Fotos zu machen, aber etwas später war ein Nashorn wirklich unmittelbar vor unserem Fahrzeug und da war dieses Foto (rechts) möglich. Es war absolut spannend, was man da alles hörte, sah und erahnen konnte. Auch Hyänen hörten und sahen wir und viele andere Tiere, zBsp. ein Springhare, ein kleines Tier, das wie ein Känguru herum springt: Wenn man nur die Augen sieht, sieht das ziemlich komisch aus. Auch wenn wir gegen Ende der Ausfahrt öfter vom Schlaf heimgesucht wurden - wir waren immerhin schon seit 6 Uhr in der Früh auf den Beinen - , war der Night Game Drive ein voller Erfolg und ich kann das nur empfehlen.
Kuoni hatte mir empfohlen, nur eine Nacht in Namutoni zu bleiben und dafür zusätzlich eine zweite Nacht in Okaukuejo. Dieser Tipp war goldrichtig, aber davon später.
Die Distanz zwischen Namutoni nach Okaukuejo betrug rund 120 km und dafür hatten wir einen Tag Zeit. Auf den Strassen im Park war die Höchstgeschwindigkeit 60km/h, aber heute war der Weg das Ziel. Ein kleiner Umweg führte uns nach Klein-Namutoni, ein Wasserloch, das äusserst belebt war. Viele Giraffen, Impalas, Zebras, Oryxe und Kudus löschten den Durst. Alle paar Minuten segelte ein Geier über uns zum Wasserloch, bis letztlich über 10 gefiederte Aasfresser sich am Wasserloch tummelten.
Der Dik-Dik-Drive war dann nicht so ergiebig. Ein Dik-Dik ist die kleinste Antilopenart in Afrika und soll hier öfter zu sehen sein. Wir hatten schon in den Waterberg Mountains ein Exemplar dieser scheuen Tiere gesehen, aber hier zeigten sie sich nicht.
Wir machten den Umweg zum gleichen Wasserloch wie gestern und auch heute war da ein Kommen und Gehen. Wir erhofften uns, dass wir irgendwann doch noch ein Nashorn auch bei Tageslicht zu sehen bekommen, aber leider war's auch hier nichts damit. Ich kann es vorweg nehmen: Bei Tag haben wir auf der ganzen Reise keine Nashörner gesehen.

Wir fuhren weiter. Das nächste Wasserloch sollte, gemäss Beschreibung im Buch, besonders interessant sein. Ein klein wenig enttäuscht war ich schon, als sich einzig jede Menge Reiher beim Wasserloch tummelten. Ja, ich weiss, wir sind mittlerweile zu verwöhnt und undankbar.
Entschädigt wurden wir aber durch einen Strauss, der gleich neben der Strasse vorwärts schreitete. So nah konnte man die muskulösen Beine sehen, die es dem Strauss erlauben, bis zu 70 km/h schnell zu laufen.
Unterwegs sahen wir ein Safarifahrzeug mit Führer und sowohl der Guide als auch die Gäste schauten angestrengt in eine Richtung. Tatsächlich: Relativ weit entfernt lag unter einem Gebüsch ein Löwe. Den hätten wir jetzt glatt verpasst, allerdings haben wir Löwen auch schon wesentlich näher gesehen.
Immer wieder konnte man von der Strasse aus die Etosha Salzpfanne in der Ferne sehen. Dort leben kaum Tiere und wenn man die flimmernde Luft sieht, kann man sich auch vorstellen, weshalb. Es ist schon erstaunlich, wie rund um diese unwirtliche Salzwüste so viel Tiere leben können.
Paps hat immer von den beeindruckenden Herden in Tansania gesprochen. Das haben wir weder in Botswana noch in Namibia so erlebt. Die Herden waren eher klein und beschränkt auf vielleicht 10 bis 20 Tiere. Eine Ausnahme war eine Springbok Herde, die wir heute gesehen haben. Sie überquerte vor uns die Strasse und wir hätten wohl 10 Minuten warten können, bis alle Tiere vorbeispaziert waren. So viel Geduld hatten wir allerdings nicht und haben uns durch eine kleine Lücke durchgedrängt.
Nach einigen Stunden kamen wir in Halali, dem dritten Camp im Park an, aber es ging gleich weiter und dann auf dem direkteren Weg nach Okaukuejo.
Anders als in Namutoni wurden wir hier nicht sehr freundlich empfangen, aber irgendwie schafften wir es, unseren Schlüssel zu erhalten. Das Zimmer war relativ einfach, aber zweckmässig und sauber. Wenn ich aber nochmals nach Okaukuejo reisen würde, würde ich wohl in einem Wasserloch Chalet übernachten wollen.
Das Grossartige an Okaukuejo ist nicht das Camp und der Service, sondern das Wasserloch. Schon am nachmittag verbrachten wir einige Zeit dort und beobachteten die vielen Giraffen, Springboks und Vögel. Auch ein Webervögelnest ist gleich am Wasserloch und die kleinen Vögel machen unheimlich Krach. Nachdem wir in Botswana vor allem Red-billed Hornbills gesehen hatten, waren hier in Etosha die Yellow-billed Hornbills in der Mehrheit, auch hier am Wasserloch.
Besonders wird das Wasserloch aber am Abend, da beleuchten einige Scheinwerfer die Szenerie und die Tiere lassen sich dadurch kaum stören. Wir waren zum Glück früh genug um noch einen Sitzplatz zu ergattern und wenig später tauchte tatsächlich wiederum ein Nashorn mit einem Jungen auf. Sie tranken zuerst am Wasserloch und kamen dann etwas näher und dass wurde das Jungtier nur etwa 10 Meter von uns weg gesäugt. Hätte ich bloss den grossen Blitz dabei gehabt, das Bild wäre wesentlich besser geworden. Aber immerhin.
Ein weiterer, ereignisreicher Tag war vorbei.
Wie immer, waren wir auch heute früh unterwegs. Das Reisebuch empfahl einen Ausflug in den westlichen Teil des Parks - in Richtung zum Teil des Parks, der nur von Reiseveranstaltern besucht werden darf - zum Märchenwald.
Wir fuhren gemächlich der Strasse entlang und plötzlich fragte Thomas, ob da etwas auf der Strasse liege. Ich gabe ihm recht. Beim näher kommen erkannten wir, dass es sich dabei um eine Löwin handelte, die sich mitten auf der Strasse hingelegt hatte. Wir näherten uns weiter und hielten auf gleicher Höhe am Strassenrand an, nur etwa 5 Meter von der Löwin entfernt. Sie hatte ein blutverschmiertes Gesicht und atmete schwer und ich meinte, ob sie wohl verletzt sei.
Kurz darauf erhob sie sich aber und schlenderte in die Savanne hinaus und erst jetzt erkannten wir, dass die Löwin nicht allein war. Sie war Teil eines Rudels von 4 Tieren, die offenbar grad kurz zuvor ein Zebra gerissen hatten. Es war fast, also wollte sie bei uns mit ihrem Jagderfolg prahlen.
Den ersten Hunger hatte das Rudel bereits gestillt und wollte sich eigentlich unter einem Baum ausruhen und später noch weiterfressen. Dummerweise war der nächste Baum etwa 200 Meter entfernt und das tote Zebra war bereits "Stadtgespräch", hatten sich doch schon einige Schakale und Schildraben Position bezogen um von der Beute zu profitieren.
Das war ein Schauspiel: Ein junges Männchen war allein beim Zebra zurückgeblieben und versuchte verzweifelt, das schwere Tier in Richtung Baum zu ziehen. Tatsächlich schaffte er es, den Kadaver etwa 10-20 Meter zu bewegen, merkte aber, dass das Unterfangen zum Scheitern verurteilt war. So versuchte er sich immer wieder zurückzuziehen, kam aber mit einem Sprint zurück, sobald die Schakale zu nahe kamen. Wir schauten dem Treiben einige Zeit zu und fuhren dann weiter. Wir merkten uns aber den Ort und kamen auf der Rückfahrt wieder dahin zurück und blieben nochmals gegen eine halbe Stunde und beobachteten die Szenerie. Das war wirklich einer der Höhepunkte der Reise.
Etwas weiter weg beobachteten wir etwas lustiges: Es kamen so 6 Zebras hintereinander hergelaufen und 4 von den 6 schnupperten alle an der gleichen Stelle und wälzten sich anschliessend am Boden. Wir haben nicht herausgefunden, was das sein sollte.
Der Märchenwald entpuppte sich nicht so märchenhaft, wie das der Reiseführer beschrieben hatte. Die Moringabäume, die eine sehr spezielle Form hatten, waren in Wirklichkeit irgendwie nicht so toll.
W
ir machten aber noch Halt bei einem riesigen Webervogelnest. Die Vögel schaffen es irgendwie, senkrecht in das Nest hinaufzufliegen ohne abzustürzen. Dem emsigen Treiben hätte ich noch lange zuschauen können.
Wir fuhren aber wieder zurück nach Okaukuejo und wollten dann noch ein paar Wasserlöcher abklappern, die wir am Vortag ausgelassen hatten.
So fuhren wir in Richtung Gemsbokvlakte und Olifantsbad. Das waren wiederum sehr stark frequentierte Stellen mit vielen verschiedenen Antilopen, Zebras und Elefanten. Ein Kampfadler beobachtete von seinem Baum aus die Gegend und sogar eine Tüpfelhyäne hat sich ans Sonnenlicht gewagt.

Für mich war auch der Sekretärvogel ein schönes Erlebnis. Es gibt selten einen Vogel, der so treffend benannt wurde, wie dieser. Mir kommen jedenfalls immer Spitzweg-Bilder in den Sinn, wenn man dieses Geschöpf herumstolzieren sieht.
Abends setzten wir uns wieder ans beleuchtete Wasserloch und staunten, was da so alles ablief: Eigentlich war ich viel zu müde, aber Thomas motivierte mich, noch etwas zu bleiben und er hatte recht.
Giraffen waren schon da, bevor wir eintrafen. Als nächstes erschien wieder ein Nashorn und dann noch ein zweites. Diese gingen sich aus dem Weg, hatten aber genügend Platz am Wasserloch. Plötzlich sahen wir, wie die Giraffen in ihrem Zeitlupengalopp davon stoben und tatsächlich, bald darauf erschienen zwei Löwinnen mit etwa 5 Jungen. Die Nashörner liessen sich nicht stören, im Gegenteil, das eine verteidigte seinen Platz am Wasser erfolgreich. Nach dem Trinken verzogen sich die Löwinnen. wieder.
Ich war nun definitiv zu müde und ging zurück ins Zimmer, viel mehr konnte ja wirklich nicht geboten werden. Da irrte ich mich allerdings. Thomas erzählte mir dann von einem Elefanten und einem Nashorn, die sich den Platz am Wasser streitig machten und offenbar habe das Nashorn die Oberhand behalten. Erstaunlich!
Für Thomas waren die Beobachtungen am Wasserloch in Okaukuejo wohl die Höhepunkte der Reise.
Nun war die Zeit im Etosha vorbei. Es war toll, aber es war auch Zeit mal etwas Neues zu sehen.
Weil wir eine lange Fahrt vor uns hatten, fuhren wir früh los. Die ersten 200 km waren noch geteerte Strassen und dann fingen die dirt roads an. Zu unserem Erstaunen durfte man darauf 100 km/h fahren, allerdings waren einige Abschnitte nicht für diese Geschwindigkeit geeignet und wir mussten rasch ein Gefühl für das angepasste Tempo entwickeln, was Thomas heute gut gelang.

Wir stoppten nur für einen kurzen Rundgang bei einem versteinerten Wald, wo wir nicht nur versteinerte Baumstämmen besichtigen konnten, sondern auch die Welwitschia mirabilis Pflanze, die tausend Jahre alte werden kann. Die Pflanze rechts ist etwa 60 Jahre alt.
Wir fuhren anschliessend gleich weiter. Mit einem Umweg von vielleicht 50 Kilometern hätten wir auch die Felszeichnungen von Tweyfelfontain besichtigen können. Wir wussten aber nicht genau, wie die Strassen dort sind und konnten deshalb den Zeitbedarf schlecht abschätzen. Zudem lag unsere Lodge noch ziemlich weit in die andere Richtung. So entschieden wir uns, weiter in Richtung unserer Lodge zu fahren.
Frau Garmin kannte zwar unsere Lodge und wir wussten, dass ein 11 km langer 4x4 Holperweg dazu führte, aber wo uns Frau Garmin abbiegen lassen wollte, war nicht mal ein Holperweg. Da wir da nicht abbogen, lief Frau Garmin wiedereinmal Amok und nach einer Neuberechnung meinte sie: „Fahren Sie 166km geradeaus“....
Kurz danach kam dann doch noch die Abzweigung zum Damaraland Camp und wir holperten über die Nebenstrasse zur Reception, wo wir freundlichst empfangen wurden. Ein richtiger Kontrapunkt zur Behandlung in Okaukuejo.
Dieses Camp besteht aus etwa 10 Zelten, verteilt über eine grössere Fläche, die freundlich und zweckmässig, aber nicht überaus luxuriös (keine Klimaanlage oder Kühlschrank) eingerichtet waren, aber sonst war es mit den Camps in Botswana durchaus vergleichbar. Das Camp ist wunderschön in ein bergiges Hochland eingebettet und passt sich in die Landschaft ein. Von unserer Terrasse aus hatten wir eine tolle Aussicht.
In solchen Camps werden üblicherweise die Mahlzeiten gemeinsam mit allen Gästen an einem Tisch eingenommen und unter den Reisenden Erfahrungen ausgetauscht, was wir sehr schätzten. Grob kann man drei Gruppen von Reisenden unterscheiden: Die Flieger, die geführten Kleingruppen und die Individualisten wie wir und alle Arten haben ihre Vor- und Nachteile. Kombiniert mit der Reise nach Botswana war ich aber überzeugt, dass für uns die Individualtour mit dem gemieteten Auto das richtige war.
Das Damaraland Camp gehörte zu den „Wilderness Safaris“, einer Unternehmung, die viele Lodges in Namibia führte und Eco-Tourismus betreibt. Hier befand sich das Camp in einem Stammesgebiet, das eine gewisse Selbständigkeit hat und 10% des Umsatzes geht an dieses Protektorat. Zudem sind die Angestellten mehrheitlich aus dem Stammesgebiet. Nun wussten wir, weshalb die Leute im Eingeborenendorf auf halbem Wege zur Lodge uns so freundlich zu gewunken hatten.
Wir genossen den Rest des Tages im Camp.
Während des Frühstücks regnete es, zum Missfallen der Touristen und zur Freude der Camp-Bewohner...
Weil wir wieder ein reich befrachtetes Tagesprogramm vor uns und wir mittlerweile doch schon so viele Wildtiere gesehen hatten, verzichteten wir auf den Ausflug zu den Wüstenelefanten und fuhren bereits um 8.00 Uhr vom Damaraland Camp los, zuerst eine halbe Stunde auf der 11 km langen Holperstrecke zurück zur Hauptstrasse und dann Richtung Springbok Gate des Skeleton Nationalpark (benannt nach den vielen an dieser Küste gestrandeten Schiffen), ca. 100 km auf der besseren Schotterstrecke.
Die Landschaft im Damaraland ist recht karg, aber wunderschön, Das Gelb des Savannengrases und die Berge, die meisten mit Plateau, ergaben ein harmonisches Ganzes. Plötzlich, kurz vor dem Eingang des Nationalparks änderte, sich die Landschaft und wurde nochmals karger und der Boden dunkler, Thomas verglich sie mit einer Mondlandschaft. Kaum ein Halm wuchs hier, wir sahen auch keine Tiere.
Fast 100 km weiter erreichten wir die Küste und die Landschaft änderte sich wieder, weiterhin sehr unwirtlich, aber nun mit weissen Dünen.
Der kalte Berguelenstrom im Meer ist hier auch an Land zu spüren: Nebelbänke hatten sich gebildet und es war so kalt, dass der Wärter am anderen Ende des Parks eine Skimütze trug (etwas übertrieben zwar, aber so kalt wie hier hatten wir es schon lange nicht mehr).
Während der ganzen Fahrt durch den Nationalpark (etwa 2 bis 3 Stunden) begegneten wir genau einem anderen Auto. Ich dachte mir nur: Bloss jetzt keine Panne haben...., aber alles ging glatt.
Die Strasse führte zwar der Küste entlang, aber vom Meer sah man nur selten etwas. Kurz nach dem Mittag kamen wir in der Cape Cross Lodge an. Kuoni hatte mich noch gewarnt, dass es hier stinken würde, aber davon war nichts zu riechen. Die Lodge steht ziemlich einsam direkt am Strand und wir bezogen ein Zimmer mit Aussicht darauf.
Ich sass gerade auf der Terrasse und genoss die Brandung und die gelegentlich vorbeifliegenden Vogelzüge als ich diese Zeilen schrieb. Von der Lodge ist es nur eine kurze Fahrt zum Cape Cross Seal Reserve, der grössten Pelzrobbenkolonie der südlichen Hemisphäre. Der Parkplatz war leer als wir ankamen und wir hatten die Kolonie ganz für uns allein. Wir verbrachten sicher eine Stunde damit, das Leben der Robben zu beobachten:
Der
Strand ist m. E. noch nicht ganz gefüllt, aber in der Ausdehnung doch sehr beeindruckend. Die Kämpfe der Bullen um die besten Plätze war zwar schon im Gang, aber noch nicht ganz so ernsthaft, meist dauerten sie nur ein paar Sekunden und dann drehte sich der Unterlegene um und reagierte seinen Frust an einem Schwächeren ab.
Die Jungen kommen erst ab November bis Mitte Dezember zur Welt, aber die Mütter säugten noch die Jungen des letzten Jahres und diese machten sich auch lautstark bemerkbar, wenn die Mutter nicht da war.
Lustig waren auch die Anlandungsversuche der Robben. Die Brandung war oftmals so stark, dass sie zwar mit der Welle in Richtung Strand glitten, aber auch gleich wieder ins Meer gespült wurden. Es brauchte öfter mehrere Versuche, bis die Anlandung klappte. Durch die Kolonie strichen viele Schabrackenschakale, in der Hoffnung auf Futter, das – sobald die neuen Jungen geboren sind – in Hülle und Fülle vorhanden sein wird.
Natürlich mussten wir uns noch das Kreuz, das dem Kap den Namen gibt, bewundern und verbrachten den restlichen Nachmittag mit Ausruhen.
Heute war zur Abwechslung mal eine kürzere Etappe auf dem Programm. Die Strecke nach Swakopmund war nach wie vor eine weisse Wüsten- und Dünenlandschaft, wie weiter nördlich an der Skelettküste. Noch immer war das Wetter recht kühl und neblig und der bedeckte Himmel sollte auch unseren Besuch in Swakopmund überschatten.
Mir schien, dass der Unterschied zwischen Stadt und Land hier in Namibia gross war. Während wir uns auf dem Land kaum Sorgen über Kriminalität und Sicherheit machen mussten, sicher nicht mehr als das bei uns üblich ist, sind in den Städten Windhoek und Swakopmund die Privathäuser eingezäunt oder bewacht und wo immer man das Auto stehen lässt, sind auch schon die Parkwächter da. Man gibt da aber gerne ein paar Namibia Dollars, wenn man dann das Auto wieder vollständig wiederfindet.
Wir erkundeten Swakopmund zu Fuss und fanden das deutsche Städtchen in der Wüste Namibias recht skurril, aber sonst eigentlich nicht besonders sehenswert.
Schon bald machten wir uns auf die Fahrt ins nahe Walvis Bay. Die Wüste veränderte sich um Swakopmund sehr stark: Plötzlich sind die Dünen beige-braun, so wie man sich die Sahara vorstellt, und viel harmonischer.
Heute ist passierte es: Wir hatten einen Platten. Glücklicherweise stellten wir diesen am wohl besten Ort auf der ganzen Reise fest, nämlich vor der Lagoon Lodge in Walvis Bay, deren Eigentümer sowieso grad zum Tire-Shop fahren wollte. Der Arbeiter flickte das Loch ruck zuck und das Ganze kostete grad 57.50 Namibia $, umgerechnet rund Fr. 7.-. Es hielt bis zum Ende der Reise...
In Walvis Bay freute ich mich auf die Flamingos und war enttäuscht zu vernehmen, dass kaum welche da waren, nur ein paar Stück sahen wir in der Luft. Trotzdem machten wir einen Ausflug zu den Salzbassins und den Strand auf der anderen Seite der Bay, aber ausser ein paar Fur-Seals, Pelikanen und kleineren Vögeln war nichts zu entdecken.
Auf Rat unseres Hausherren genossen wir ein Seafood Essen auf dem Raft.
Reisebekanntschaften in Cape Cross hatten uns geraten, eine Bootstour von Walvis Bay aus zu machen und – obwohl wir noch eine lange Fahrt vor uns hatten – machten wir das auch. Unser Kapitän Billy war ein Namibier mit deutschen Wurzeln und vermittelte uns alles Wissenswerte zweisprachig und mit viel Humor.
Die Pelikane folgten dem Boot gerne und wurden dafür mit Fischen belohnt, ebenso ein paar Ohrenrobben, die uns sogar auf dem Boot besuchten. Offenbar wagten es 8 Tiere in der Bay auf die Boote und mehr sollen es auch nicht werden, auch so hinterliess das einen zwiespältigen Eindruck, auch wenn es toll war, die Tiere von so nahe zu beobachten.
Die Schifffahrt führte an einem gestrandeten Fischerboot und an Austernbänken (Die Austern sind hier eigentlich nicht heimisch und es ist im Wasser zu kalt für ihre Fortpflanzung, aber der nährstoffreiche Berguelenstrom lässt die kleinen Austern in Rekordtempo wachsen) vorbei, zum Pelican Point. Dort „jagten“ wir vorerst einen Southern Right Whale, einen Glattwal, der sich aussergewöhnlicherweise in den küstennahen Gewässern aufhielt und dann wendeten wir uns den Delfinen zu, die nicht trainiert sind, aber trotzdem nahe zum Boot kommen.
Auf der Rückfahrt fuhren wir bei einer Ohrenrobbenkolonie und einer riesigen Ansammlung von Kormoranen vorbei und genossen dann einen Imbiss mit Austern. Auf unserer Seite des Bootes mochte kaum jemand die frischen Muscheltiere, so dass es an mir lag, den grössten Teil zu verzehren, welches Schicksal!
Zurück an Land machten wir uns sofort auf die Reise nach Sossusvlei, denn wir wollten da vor Sonnenuntergang ankommen. Die Namib Wüste zeigte uns auch da viele Gesichter, aber wir hielten nur an um zu tanken, damit wir vorwärts kamen.
Beim Sossusvlei Nationalpark spielte uns Frau Garmin wieder einmal einen Streich. Die Strasse, auf die sie uns lotste, war die Strasse im Park zum Sossusvlei und da wo sie uns abbiegen lassen wollte, war weit und breit keine Strasse oder Weg. Jetzt wo die Reise bald zu Ende sein wird, wüssten wir, wann Frau Garmin zu trauen war und wann man vorsichtig sein sollte. Leider merkten wir den Irrtum erst nach einiger Zeit im Park und mussten den ganzen Weg zurückfahren. Doch im zweiten Anlauf fanden wir die Kulala Desert Lodge und wurden da auch erwartet (was nicht so selbstverständlich war, da ich erst am Vortag vom Kulala Camp umbuchen konnte, damit wir drei Nächte am gleichen Ort bleiben konnten).
Die Bungalows in der Kulala Desert Lodge gleichen in der Einrichtung denjenigen in der Damaraland Lodge, aber hier vermissten wir manchmal die Klimaanlage ein bisschen, bei Temperaturen von um die 40 Grad am Schatten. Immerhin war die Hitze sehr trocken und gegen Nachmittag kam jeweils ein Wind auf.
Um 5 Uhr weckte uns Nanguei, unser Führer für den heutigen Tag, und um 6 Uhr ging es los, zusammen mit Margret, einer englischen Französin und ihrem Sohn, John, der als Öl-Ingenieur in Südafrika lebt.
Gerade rechtzeitig für den Sonnenaufgang kamen wir beim Aussichtspunkt im Park an (Kulala hat einen „Hintereingang“ in den Park und wir mussten den Umweg über den Parkeingang nicht machen, was ein grosser Vorteil war). Schon der erste Eindruck der roten Dünen, im Licht der aufgehenden Sonne, war überwältigend.
Noch ein paar Male hielten wir auf der Fahrt zum Sossusvlei an um die einzelnen Dünen zu bewundern und Nanguei erzählte uns alles über deren Entstehung.
Die letzten 4 Kilometer bis zum Dead Vlei (Vlei beideutet See oder Senke in Afrikaans) Parkplatz sind 4x4-Fahrzeugen vorbehalten, aber Nanguei fuhr über diesen Pfad, wie wenn es eine Autobahn wäre.
Zwei Wege führten zum Dead Vlei: Der direkte Weg und der „Umweg“ über eine Düne. Das war ein hartes Stück „Arbeit“, mit jedem Schritt vorwärts ging es wieder ein halber zurück. Erst mit der Zeit merkte ich, dass man da auf den Zehenspitzen laufen musste, dann waren die Tritte stabiler. Ich bin dann auch nicht ganz auf die Spitze der Düne gewandert, sondern bin davor auf dem Hosenboden die Düne Dead Vlei hinabge“rodelt“, was zwar Spass machte, aber dafür die Schuhe und Kleider mit Sand füllte. Wenn man allerdings Sand nicht mag, so sollte man besser nicht in diese Gegend fahren....
Nanguei erklärte uns, dass der Dead Vlei früher ein See war, wobei die Dünen dem Wasser des Zuflusses den Weg versperrten. So trocknete diese Senke aus. Die toten Bäume, die dem Vlei den Namen geben, waren bereits 800 Jahre alt, als das Wasser versiegte und starben deshalb. Die Trockenheit und die Absenz von Termiten lässt die toten Stämme allerdings stehen bleiben. Ein eindrücklicher Anblick!
Auf der Normalroute ging es zurück zum Parkplatz und dann noch etwas weiter zum Sossusvlei, einer etwas grösseren Fläche, die mit Dünen umrandet ist. Nanguei deckte uns den Tisch und wir picknickten, umschwärmt von Bienen, die es – zu unserem Erstaunen - weniger auf unser Essen, sondern viel mehr auf unser Wasser abgesehen hatten.
Dann ging es zurück zur Lodge, wo wir müde ankamen und uns entschlossen, den Nachmittagausflug in den Sesriem Canyon abzusagen und stattdessen etwas Zeit am „Pool“, eher ein Planschbecken, zu verbringen. Dabei hatten wir zum Teil Besuch von Schildraben und Schwalben, die beide versuchten, etwas von dem Nass aus dem Pool zu erhaschen, letztere mit etwas mehr Erfolg, da ihre Flugkünste so ausgefeilt waren, dass sie im Flug über dem Wasser trinken konnten.
Wir liessen uns das Bett auf dem Dach unseres Bungalows herrichten und probierten das Schlafen da oben kurz aus. Der Sternenhimmel war überwältigend, die Milchstrasse war deutlich zu sehen, auch verschiedene Satelliten und eine Sternschnuppe sahen wir, aber zum Schlafen war es da oben doch zu unbequem.
Wieder um 5 Uhr Tagwacht und um 5.40 Uhr wurden wir abgeholt und zum nahe gelegenen Startplatz für die
Ballonfahrt gebracht. Wir waren die ersten, die da ankamen und konnten beobachten, wie der grosse Ballon eingeheizt und aufgerichtet wurde.
16 Passagiere fasste der Korb und tatsächlich waren 15 Leute da, die mitfahren wollten.
Auch da schafften wir es in der Luft zu sein, kurz bevor die Sonne aufging. Die Aussicht von da oben war überwältigend! Ein Meer von roten Dünen, Bergen und Wüstenlandschaften breitete sich unter uns aus und die Morgensonne legte alles in ein besonders schönes Licht.
Wir stiegen auf ca. 1'000 Meter über den Boden und glitten dann unmerklich dahin, in völliger Stille, nur unterbrochen von den sehr lauten und heissen Flammenstössen, die Astrid hin und wieder loslassen musste, um die Höhe zu halten oder einen anderen Wind zu erwischen. Astrid, unsere deutsche Pilotin (offenbar Vize-Weltmeisterin im Ballonfahren), verstand ihr Handwerk und war jederzeit ruhig und besonnen. Sie lobte die aussergewöhnliche Fernsicht, die wir getroffen hätten.
Ich wusste nicht, wie ich auf die Ballonfahrt reagieren würde, es war immerhin meine erste, aber ich fühlte mich jederzeit wohl da oben, auch wenn ich direkt nach unten schaute und sogar dann, als Astrid relativ nahe an einem Berg vorbeifuhr um den richtigen Wind zu erwischen.
Der nur schwache Wind hatte aber den Vorteil, dass wir um eine „sporting landing“ herumkamen und sanft, fast auf dem Anhänger für den Korb landeten.
In der Nähe unseres Landeplatzes hatte das Bodenpersonal bereits das Champagner Frühstück aufgebaut und wir sassen an einem Tisch mitten in der Wüste und liessen es uns gut gehen. Das war ein toller Schlusspunkt unserer Reise.
Den Rest des Tages verbrachten wir noch mit „plegere“ am Pool und bereiteten uns moralisch auf die Heimreise vor.
Die Fahrt nach Windhoek sollte etwa 5 Stunden dauern, wiederum durch abwechslungsreiche Wüstenlandschaft und dann durch Farmland. Die letzten 80 km fuhren wir auf dem Transkalahari-Highway, mal wieder auf geteerter Strasse.
Frau Garmin lotste uns auf direktem Weg in unser Hotel Heinitzburg. Auch wenn ich hier jeweils geschrieben habe, wenn Frau Garmin versagt hatte, würde ich wieder ein solches Gerät mieten. In den Städten und auf normalen Strassen ist es sehr praktisch, ersetzt halt einfach die Karte nicht vollständig.
Die Hotelzufahrt war so steil, dass ich zum letzten Mal den 4x4 einschalten musste um das zu überwinden. Nach 10 Tagen vorwiegend in Camps war es eine ziemliche Umstellung wieder in einem guten, stilvollen Hotel zu übernachten.
Wir wollten in Windhoek noch in einen Markt, der war aber geschlossen. So suchten wir eine Autowaschanlage, aber auch die waren alle - es war ja Samstag - zu. So entschlossen wir uns, das Auto, so wie es war, einen Tag früher abzugeben. Nach einigen Diskussionen über das von uns (bzw. von einem Stein) verursachte zweite Loch in der Windschutzscheibe (manchmal hilft es halt, Juristin zu sein und argumentieren zu können), wurden wir aus allen Verpflichtungen entlassen und der Diensthabende versprach uns sogar, dass er uns am nächsten Tag auf den Flughafen fährt, obwohl wir, weil wir einen Tag zu früh abgegeben hatten, nicht hätten darauf bestehen können.
Am Abend genossen wir noch ein gutes Essen in Leo's Castle, dem Hotelrestaurant, mit schöner Aussicht über die Stadt, und ich verabschiedete mich kulinarisch von Afrika mit Austern als Vorspeise und einem Oryx- und Springbok-Filet als Hauptgang.
Wir frühstückten auf der Terrasse des Hotels im T-Shirt, wohlwissend, dass wir schon am nächsten Tag in der kalten Schweiz davon nur träumen konnten. Dann wurden wir pünktlich abgeholt und zum Flughafen geführt. Der Flug Windhoek via Johannesburg nach Zürich war ereignislos und angenehm.
Damit schloss sich der Kreis der fast 4wöchigen Reise. Wir hatten so viel erlebt und gesehen, dass wir kaum sagen konnten, was denn der Höhepunkt war. In der Rückblende würde ich bei der Organisation alles genau gleich machen, mit Ausnahme einer Übernachtung (Derjenigen in den Waterberg Mountains: Nicht weil das schlecht gewesen wäre, sondern weil der Umweg von der Hauptstrasse weg zu lange war.). Auch im Etosha Park würde ich wiederum in den Lodges des Parks übernachten (aber eben in den Waterhole Chalets). Auch war die Mischung zwischen geführt und selbständig auf der ganzen Reise für uns genau richtig. Die Befürchtungen unserer Mitreisenden erwiesen sich als unnötig, wir hatten nie eine heikle oder schwierige Situation zu überstehen. Alles in allem waren es für uns einfach tolle Ferien.
The End