Reise in die Seychellen 2009

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1. Teil - 8. bis 13. März 2009
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1. Teil - 8. bis 13. März 2009


Sonntag, 8. März 2009 / Abreise

Es hat sich fast so eingebürgert, dass wir nach einem Fest in der Familie Jeanneret in die Ferien abreisen, diesmal nach dem 20. Geburtstagsfest von Jean-Christophe. Ausnahmsweise flogen wir von Genf ab und wir fuhren mit dem Zug durch die sogar in den Rebbergen am Genfer See verschneite Landschaft. Der Flug mit Qatar Airways nach Doha flog pünktlich ab. Und nach einem Zwischenhalt von 3 Stunden ging es weiter Richtung Mahé, der Hauptinsel der Seychellen, wo wir früh am nächsten Morgen landeten.

Montag, 9. März 2009 / Mahé

Vom Flughafen nahmen wir ein Taxi, das uns an die Westküste der Insel bringen sollte, zu unserem Hotel Méridien Barbarons. Ich war erstaunt, wie grün, aber auch bergig, die Insel ist. Nach einer halben Stunde trafen wir im Hotel ein und hatten Glück, dass wir - obwohl es noch sehr früh am Morgen war - wir schon einchecken und das Zimmer beziehen konnten. Obwohl wir im Flugzeug etwas schlafen konnten, waren wir ziemlich müde und schliefen den Rest des Vormittags.

Die reine Flugzeit von der Schweiz nach den Seychellen ist 10 bis 11 Stunden. Angenehm ist, dass die Zeitdifferenz nur 3 Stunden ausmacht. Mahé liegt knapp südlich des Äquators auf rund 4 Grad Süd. Zum Archipel der Seychellen gehören aber ca. 115 Inseln, zum Teil Inseln aus Granit und zum Teil Korallenatolle. Auf der Hauptinsel Mahé leben rund 80 % der Einwohner (ca. 70'000 von 90'000 Seychellois) und die übrigen 20% verteilen sich vor allem auf drei weitere Inseln. Die meisten Inseln sind unbewohnt oder haben lediglich eine Forschungsstation oder ein Hotel drauf.

Nachmittags wagten wir dann einen ersten Schwumm in den Indischen Ozean und wir waren sehr überrascht, wie angenehm warm das Wasser war.

Abends liessen wir uns im Hotel Restaurant ein erstes Seafood Abendessen servieren, mit Langusten und ähnlichem, Mhhhhm!

Unser Hotel hat im Trip Advisor relativ schlechte Kritiken, was wir aber nicht bestätigen konnten. Die Zimmer waren zweckmässig und sauber und das Essen und der Service durchaus gut. Das Preisniveau ist offenbar auf den Seychellen für Touristen generell sehr hoch.

Dienstag, 10. März 2009 / Mahé  

Heute sollten wir die Vent-Gruppe treffen und tatsächlich, trafen Victor und Barry, die wir von einer früheren Reise her kannten, während des Frühstücks ein.

Wir hatten uns für die nachmittägliche Birding-Tour angemeldet: Wir sollten versuchen, zwei der seltensten Vögel dieser Welt aufzuspüren, das "Seychelles White-Eye" und die "Seychelles Scops-Owl". Pearly, der lokale Führer, führte uns zu einem Baum, auf dem die Weissaugen im Begriff waren, ein Nest zu bauen. Der Baum stand mitten in einem Wohngebiet und die Einheimischen waren wohl sehr erstaunt, was diese Gruppen von Touristen dort wollten.

Seychelles White-eyeTatsächlich kam immer mal wieder ein Vögelchen hergeflogen, versteckte sich im Blätterwald und verschwand bald darauf wieder. Keine Chance für mich auf ein gutes Bild. Pearly erlaubte mir dann, noch während der zweiten Gruppe zu bleiben und diesmal war ich erfolgreicher. Mit etwas Glück entstand dieses Bild.

FodyWir erspähten noch mehr Vögel: Die blaue Seychellen-Taube, Tropikbird und - sehr häufig - der orange-rote Fody, der mir eigentlich beser gefiel als das White-Eye, aber er ist halt kein rarer Vogel :-).

Der nächste Halt sollte bei den Fruit Bats (Flughunde) sein, die hier im Vergleich zu unseren Fledermäusen gigantische Ausmasse haben. Leider dauerte der WC Halt (1 WC für 35 Leute) etwas zu lange und es war schon zu dunkel um Fotos zu machen. Ross, einer der Bird-Guides, tröstete mich mit dem Hinweis, dass wir am nächsten Tag im Botanischen Garten nochmals die Gelegenheit hätten, Fruit Bats zu sehen und er sollte recht behalten.

Dann ging die Jagd auf die Seychellen Scops Owl los: An unserem ersten Standort antwortete eine Eule auf die Rufe aus Pearly's Lautsprecher, sogar ein Männchen und ein Weibchen im abwechselnden Duett, aber sie zeigten sich nicht. Nach drei oder vier weiteren Stationen hatten wir endlich Glück und das Eulchen war so lange auf einem Ast gut zu sehen, dass alle Teilnehmer ein Auge voll nehmen könnten. Das war mal wieder klassisches Birding wie es im Buche steht. Einmal ist es ganz lustig, öfter würde es mich wohl langweilen.

Mittwoch, 11. März 2009 / Mahé

Coco de Mer Palme

Heute fing die Tour erst so richtig an. Die Tage mit dem Einschiffen sind immer etwas mühsam, da man normalerweise erst Mitte Nachmittag an Bord kann und vorher ein Programm abgespult wird. Zuerst hielten wir an einem Aussichtspunkt in einem Nationalpark und dann ging es an den Strand in der Nähe von Victoria und schon bald danach zum Mittagessen ins Restaurant Marie-Antoinette. Nachmittags stand dann der versprochene Besuch im Botanischen Garten an, wo grosse Mengen von Fruit Bats in den Bäumen hingen. Auch die Coco de Mer Palme wurde uns bekannt gemacht, ein absolut geschützter Baum mit den grössten Kokosnüssen, die man allerdings - wegen des Schutzes - nicht mehr essen darf.

Die Stadtrundfahrt ist rasch erledigt und dann stand noch etwas Birden auf dem Programm, sollte doch noch der Seychellen Kestrel (Turmfalke) auf die Liste, den Gefallen tat er uns aber nicht.

Mittlerweile war aber Bording time und wir wurden in unsere Kabine geführt. Le Ponant ist ein Dreimaster-Motor-Segler und hat Platz für rund 60 Passagiere. Da wir uns fast zuletzt angemeldet hatten, hatten wir auch eine der kleinsten Kabinen, noch wesentlich kleiner als auf der Clipper Adventurer und wir konnten uns kaum gemeinsam in der Kajüte bewegen. Trotzdem fanden wir für fast alles genügend Platz und konnten uns organisieren. Einzig das Trocknen der Badekelider und Schnorchel-T-Shirts erwies sich als problematisch und dauerte unheimlich lange. Ansonsten hatte die Kajüte alles, was man braucht, sogar eine Minibar und einen Fernseher, der aber - ausser für die Filme des Schiffsprogramms - recht überflüssig war (nahm aber auch nicht viel Platz weg).

Für die Unterhaltung hatten wir ja mein Macbook dabei :-).

Mit vollen Segeln vorausKaum hatten wir alles eingeräumt, schon hiess es Leinen los und Segel setzen und das Schiff nahm, unterstützt vom Motor, rasch Fahrt auf und kurz darauf ging der Lotse von Bord. Es konnte los gehen..

Donnerstag, 12. März 2009 / Insel Alphonse

Wir sind also mal wieder auf See. Das Meer war aber relativ ruhig, überhaupt nicht so, wie uns das Christina und Beni geschildert hatten. Die "Le Ponant" rollte zwar etwas und es dauerte ein paar Tage, bis wir unsere "Seebeine" wieder hatten, aber wir brauchten beide keine Medikamente gegen die Seekrankheit.

Rotfuss TölpelAm ersten Morgen flogen eine ganze Gruppe von Red-fooded Boobies (Rotfuss-Tölpel) um unser Schiff. Offenbar scheuchte das Schiff Fische auf, nach denen die Boobies im Sturzflug tauchten, teilweise schnappten sie auch im Flug nach fliegenden Fischen, die in ganzen Schwärmen das Meer silbern färbten. Ich mag diese Vögel und könnte ihnen stundenlang zusehen. Erneut übte ich mich im Fotografieren von Vögeln im Flug und ein paar akzeptable Aufnahmen waren unter den über 200 Bildern vorhanden. Bei Vögeln im Flug ist die Ausschussrate enorm.

Am Nachmittag machten wir auf der Insel Alphonse Station, wir sollten zuerst einen Birding Ausflug machen und dann erstmals in die Unterwasserwelt eintauchen. Auf Alfonse gibt es einen Flughafen und am Rand der Piste entlang bewegten sich die Gruppen von Birdern. Hier waren aber vor allem kleinere und schnell fliegende Vögel zu entdecken, was mir weniger Spass machte, da es kaum möglich ist, davon vernünftige Fotos zu machen. Wir entschieden uns deshalb, den Spaziergang abzubrechen und schon zum Schnorcheln zu fahren. Dies sollte ein erstes Testen der Ausrüstung sein, aber es war schon ein erstes tolles Erlebnis in dieser Unterwasserwelt mit vielen Korallen, Clams und noch mehr tropischen, farbigen Fischen, auch eine Wasserschildkröte zeigte sich schon bei diesem ersten Schnorchelausflug.

Farbige KorallenClam - MuschelDie Maske und den Schnorchel nehme ich jeweils mit, aber auch die geliehenen Flossen erwiesen sich als tauglich. Gespannt war ich auf die Ergebnisse der extra für diesen Zweck angeschafften Unterwasserkamera der Marke Olympus mü 1030 SW. Die ersten Ergebnisse war ernüchternd: Obwohl das Wasser relativ klar war, waren die Ergebnisse äusserst bescheiden. Ich musste erfahren, dass die Unterwasserfotografie eine recht schwierige Disziplin ist, ein stetiger Kampf um genügend Licht und gegen das überwiegende Blau. Zwar konnte Photoshop die eine oder andere Aufnahme verbessern, aber es dauerte noch ein paar Schnorchelgänge, bis ich die Handhabung der Kamera im Griff und die besten Einstellungen gefunden hatte. Zudem war es sehr schwierig, auf dem Display zu erkennen, was man genau aufnahm. Immer wieder war ich auch dazu verleitet, Dinge zu fotografieren, die viel zu weit weg waren und die Fische, die sich kurz vorher so schön mit der Flanke präsentiert hatten, drehten sich blitzschnell und man hatte nur noch eine farbige Linie auf dem Bild. Genügend Herausforderungen, also...

Ansonsten war die Kamera aber für den beabsichtigten Zweck geeignet und mehr Qualität ist wohl nur mit viel mehr Aufwand (Kameragehäuse und zusätzliches Licht) zu erhalten. Ich würde für eine ähnliche Reise wohl wieder die gleiche Kamera mitnehmen. Schade nur, dass die Kamera kein RAW-Format kennt.

Joel, der Schnorchel-Guru auf der Reise, war zum ersten Mal bei einem Birder-Trip dabei und staunte: Einerseits über das Vogelbeobachten an sich, aber andererseits auch über den Zwang, den die Birder überkommt, über alles Listen zu führen. So übernahm ein anderer Vent-Führer (Peter Roberts, mit dem wir schon auf den Scottish Isles unterwegs waren) freiwillig das Amt, eine Fischliste zu erstellen und das ist ungemein schwerer als die Vogelliste, die viel weniger Arten umfasste. Joel half zwar mit, aber nicht mit wahnsinnig grosser Begeistertung und wir konnten ihn verstehen, da wir uns vor allem an den vielen bunten Farben und Formen erfreuten und uns kaum um die Namen der Fische kümmerten.

 

Freitag, 13. März 2009 Auf See

DelfineDie Granitinseln der Seychellen sind fast alle sehr nahe beieinander, aber die Atolle sind recht weit weg von den bewohnten Hauptinseln. So verbrachten wir den heutigen, regnerischen Tag - es sollte der einzige Regentag bleiben - auf See. Wie auf solchen Schiffen üblich, wurden wir mit Vorträgen über die Fisch- und Vogelwelt unterhalten und wenn sich nicht noch eine grössere Delfinfamilie unser erbarmt hätte, wäre von diesem Tag nichts weiter zu berichten gewesen. Die Spinner machten ihrem Namen Ehre und zeigten viele Kapriolen. Es war nicht ganz einfach, diese quirligen Tiere abzulichten. Dies war die einzige vernünftige Aufnahme.

Der ereignislose Tag gibt mir die Gelegenheit, etwas mehr über unser Schiff zu schreiben. Die "Le Ponant" ist ein kombiniertes Motor-Segelschiff, ist knapp 90 Meter lang und hat Platz für rund 60 Passagiere. Sie fährt unter französischer Flagge und die Führungscrew und das mittlere Kader ist und spricht französisch. Wie bei Franzosen üblich, freuten sie sich, wenn sie französisch sprechen konnten und so kramte ich meine Kenntnisse hervor und ich hatte das Gefühl, dass er sonst schon exzellente Service an Bord noch ein kleines bisschen aufmerksamer wurde. Das Essen war ausnahmslos hervorragend, der Koch hatte offenbar auch bei Bocuse gearbeitet. Er kam jeweils nach dem Essen zur Gratulationsrunde :-). Er war übrigens auch einer der Crew-Mitglieder, die den Piratenangriff auf das Schiff miterlebt hatten und es war sehr interessant, seine Eindrücke zu erfahren. Lothar hat mich in der Zwischenzeit auf einen Bericht von ABC 20/20 vom 17. April 2009 über die Pratenangriffe aufmerksam gemacht, in dem auch ein Interview mit dem Kapitän und einer Stewardess der "Le Ponant" enthalten ist. Eindrücklich.

Erstklassig war auch der Patissier des Schiffs. Als verwöhnte Schweizerin, die im Ausland selten Desserts isst, sagt das schon viel aus.

Das Schiff verfügte über eine lokale Naturführerin, Gemma. Es dauerte eine Weile, bis die Vent-Führer und Gemma sich gefunden hatten und die Organisation der Landausflüge richtig klappte, aber ab dann konnten wir bezüglich des grossen Wissens aller Guides aus dem Vollen schöpfen. Gemma brauchte vielleicht doppelt so lange wie die Vent-Führer bis sie einen Vogel identifizieren konnte (vielleicht 2 Sekunden :-)), dafür wusste sie sonst alles über Flora und Fauna. Kein Strauch, kein Gecko und keine Nacktschnecke waren ihr fremd.

Die Aufgaben der Offiziere und Matrosen waren ziemlich klar, was allerdings die Aufgabe von Elodie - mit der Bezeichnung "Entertainerin" - war, war nicht so offensichtlich. Als sie allerdings zusätzliches Wasser auf einen Berg mitschleppte und mir dieses überlies, war mir das dann auch egal und ich empfand sie als wichtig :-).

Völlig überflüssig war einzig der Musiker, denn abends waren wir viel zu müde um uns noch in der Bar unterhalten zu lassen und normalerweise standen wir zwischen halb sechs und halb sieben auf, so dass wir normalerweise gleich nach dem Abendessen in der Kajüte verschwanden und das war nicht nur bei uns so.

Ende des 1. Teils


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