Springen nach:
1. Teil - 20. bis 28.März 2011
2. Teil - 29. März bis 10. April 2011
Menu Reiseberichte
Ein Mausklick auf ein Bild zeigt dieses Bild vergrössert.
Lange hatte ich der Abreise am 19. März entgegengefiebert und nun war es wirklich soweit. Um 6 Uhr in der Frühe landete der Flieger nach einem ereignislosen Flug in Bangkok. Der Flughafen kam uns schon etwas bekannt vor, auf unserer Vietnam und Kambodscha Reise war er bereits unsere Drehscheibe. 2 Stunden später sassen wir im Flugzeug nach Yangon, in Burma.
Unser erster Eindruck von Burma war, dass hier die Uhren wörtlich anders gehen: Gegenüber Bangkok mussten wir die Zeit um eine halbe Stunde verstellen. Die Einreise in Yangon ging glatt, für die Passkontrolle brauchte es 2 Leute und obwohl schon auf dem Visum unser Foto prangte, wurden wir nochmals fotografiert. Ich wunderte mich, wie oft wir am heutigen Tag den Pass zeigen mussten: Sogar auf dem Inlandflug beim Abflug und bei der Ankunft.
Jack, unser lokaler Führer für Yangon, stand schon mit einem Schild mit unserem Namen da und begrüsste uns mit den Worten „Welcome in Burma“. Auf unsere Rückfrage, weshalb er denn Burma sage und nicht Myanmar, meinte er, er sei sich das so gewöhnt und Burma töne doch besser. Jack ist ein 70jähriger, ehemaliger Philosophieprofessor an der Universität von Yangon. Er stammt ursprünglich aus dem Süden des Landes (wo die Brücke am Kwai ist) und ist Angehöriger einer anderen ethnischen Gruppe als die Burmesen, der Mon. Er musste als Kind vor dem Krieg fliehen und empfand es als Glück, dass er in Yangon gelandet ist und dort eine gute Ausbildung geniessen konnte. Auch wenn er nicht gerne offen darüber spricht, ist er offensichtlich kein Anhänger des herrschenden Regimes und kann dem früheren Kolonialregime der Briten durchaus Positives abgewinnen.
Ich war der vollsten Überzeugung, dass wir für den 5-stündigen Aufenthalt in Yangon ein Tageszimmer gebucht hatten, aber Jack wusste nichts davon. Und auch in meinen Unterlagen, die ich zur Hand hatte, konnte ich ihm das Gegenteil nicht beweisen und ich ärgerte mich schon etwas, dass ich da wohl etwas übersehen hatte: Wir hatten 2 Koffer, eine Tasche mit den Tauchsachen und einen kleinen Koffer mit Kamerasachen dabei und viel davon würden wir für die nächsten 6 Tage nicht brauchen. Zudem war das Auto, das uns abholte, nicht gross genug für uns und unser Gepäck. So entschlossen wir uns, zu unserem Hotel für den nächsten Samstag/Sonntag zu fahren. Vor dem Hotel packten wir unsere Sachen um und liessen einen Koffer und die Tasche da. Ob wir wohl alles Nötige für die kommenden Tage erwischt haben? Es reiste sich jedenfalls viel einfacher, mit etwas weniger Gewicht.
〚Erst 2 Wochen nach den Ferien überprüfte ich nochmals die Unterlagen und die Rechnung für die Reise und siehe da, das Tageshotel hätte eigentlich gebucht sein sollen... Nicht der einzige Fehler des lokalen Reiseanbieters: Siehe weiter unten.〛
Jack führte uns dann zu ein paar Sehenswürdigkeiten, die eigentlich erst für das nächste Wochenende vorgesehen waren. Der liegende Buddha, zum Beispiel, eine liegende Buddha Statue von immensen Ausmassen (64 Meter lang). Hier lernten wir auch einen für Burma speziell strengen Brauch kennen: Dass man buddhistische Heiligtümer ohne Schuhe betreten muss, war uns schon bekannt, in Burma dürfen es auch keine Socken sein, nicht mal auf den steilen Treppen der Pagoden waren Schuhe erlaubt. Kein Wunder, dass viele der Locals mit Flip-Flops herumlaufen. Schuhe aus- und wieder anziehen wurde zu unserer Dauerbeschäftigung. Wir besuchten anschliessend den Scotts Market, wo neben Souvenirs auch viele Stoff- und Kleidergeschäfte, aber besonders viele Edelstein-, Gold- und Diamantenläden zu finden waren. Letztere sind vor allem für die Einheimischen bestimmt, wo Gold und dergleichen als Statussymbol dienen. Erst später erzählte uns die Führerin auf dem Inle See, dass die Leute kein Vertrauen zum Geld und zu Banken haben und deshalb Einkünfte viel lieber gleich in Edelmetalle anlegen um so den Wert besser erhalten zu können.
Jack brachte uns auch in ein Schmuckgeschäft, wo wir unsere Dollars zu einem guten Kurs in Kyats (Tschat ausgesprochen) umwechseln konnten. Der offizielle Kurs ist 1$ = ungefähr 6 Kyat, wir wechselten 1$ = 860 Kyat. Das ist wohl die verschobene Wahrnehmung der Regierung über den Wert der Währung. Ich habe mich zum Glück vor der Reise informiert und habe druckfrische 100$ Noten mitgebracht (was ich sonst nie tun würde, in den meisten Ländern sind 100$ Noten und erst noch ganz neue, total verpönt). Tatsächlich bestätigte Jack, dass dies genau die Noten sind, die gesucht werden und er hat mich gebeten, seine leicht gekrümmte Note mit einer meiner druckfrischen auszutauschen. Für die 200$ erhielten wir über 170 Tausend-Kyat Noten, ein rechtes Bündel. Offenbar gibt es kaum grössere Noten. Für die 8 Tage in Burma war dies genügend. Kaum ein Hotel oder Restaurant nahm Kreditkarten, schon wieder: Nur Bares ist Wahres, allerdings waren auch Dollarnoten gerne gesehen.
Auf unseren Wunsch fuhren wir noch zu einem Supermarkt, der sich nicht sehr von Migros und Coop unterschied. Natürlich sind die Frischwaren, besonders . Es war nun Zeit auf den lokalen Flughafen zu fahren um den Flug nach Bagan zu erwischen.
Auch wenn Yangon auf den ersten Blick sich nicht von anderen Grossstädten unterscheidet, gehen hier nicht nur die Uhren anders, auch sonst gibt es viel Beachtenswertes: Zwar herrscht hier Rechtsverkehr (das wurde nach dem Weggang der Engländer geändert), aber die Autos haben fast ausnahmslos das Steuerrad auf der rechten, eigentlich „falschen“ Seite. Dies kommt davon, dass hier fast nur Occasionen aus anderen Ländern mit Linksverkehr, wie insbesondere Japan, verkehren, kaum jemand hat das Geld, ein neues Auto mit angepasster Innenausstattung zu erwerben. Komisch ist auch das Benzin-Regime: Alle können bei den staatlichen Tankstellen maximal 2 Gallonen zum Preis von 2.5$/ Gallone erwerben, nicht mehr. Das führt dazu, dass täglich vor den staatlichen Tankstellen, laaaaaange Schlangen an Fahrzeugen stehen. Offenbar dauert es mindestens 1-2 Stunden, bis man zu seinem Benzin kommt. Schneller geht es bei den offiziell verbotenen, aber geduldeten Schwarzmarkt-Tankstellen, wo der Preis aber bis doppelt so hoch sein kann. Bei Tageseinkommen von ca. 2$ spielt das halt schon eine Rolle. Die Schwarzmarkt-Tankstellen haben ihr Benzin auch vom Staat, d.h. von staatlichen Organisationen, die ihre Benzinkontingente nicht ausnützen und den Überschuss privat verkaufen.
Ein Erlebnis ist auch das inner burmesische Fliegen: Nichts von E-Ticket, alles noch so wie bei uns vor 20 oder 30 Jahren, Papier im Durchschreibeverfahren. Wir standen bei einem rollenden Schalter an und tatsächlich wurde da unser Ticket genommen und wir erhielten einen Boarding Pass. Die jungen Männer, die vorher vor dem Schalter im Weg standen, entpuppten sich als menschliche Gepäckförderbänder. In der Abflughalle warteten wir eine Weile und wunderten uns, dass es keine Anzeigetafeln gibt. Zum Flug wurden wir im wörtlichen Sinn aufgerufen, d.h. ein Mann rannte mit einer Tafel, auf der unsere Flugnummer vermerkt war, herum und rief laut etwas, das wir nicht verstanden. Immerhin war die Flugnummer in arabischen Zahlen vermerkt (in der burmesischen Schrift werden die Zahlen ganz anders geschrieben).
Auf alle Fälle fanden wir einen Sitz im Flieger, der einen recht modernen Eindruck machte, und Thomas konnte sogar wieder einmal einen Sitz in der Exit-Row ergattern, so dass er recht bequem sitzen konnte. Was wir nicht wussten war, dass der Flug zwei Zwischenhalte machen sollte. Wir waren mittlerweile sehr müde und erlebten die Flüge teilweise im Halbschlaf.
2 1/2 Stunden später landeten wir in Bagan und der erste Eindruck war die Hitze, die uns mit einem starken Wind entgegen blies. Es fühlte sich an, als hätte jemand einen gigantischen Haarföhn in Gang gesetzt und den Aus-Schalter nicht mehr gefunden. Sai, unser lokaler Führer, und sein Fahrer Neinei, erwarteten uns am Flughafen und kümmerten sich um Alles.
Die Monsterreise mit dem Weiterflug von Yangon nach Bagan am gleichen Tag haben wir nur deshalb unternommen, weil wir am nächsten Tag Ballonfahren wollten. Ich war deshalb schon sehr enttäuscht, als Sai auf entsprechende Rückfrage erklärte, dass keine solche Buchung eingegangen sei. Seine Rückfrage ergab, dass im Ballon vom nächsten Morgen nur noch ein Platz frei war. Wir kamen uns schon ziemlich komisch vor und prüften mögliche Alternativen, wie die Verschiebung des Fluges vom übernächsten Tag...
Zum Glück lag unser Hotel in unmittelbarer Nähe des Flughafens, eine viel längere Reise hätten wir kaum heil überstanden. Das Aureum Palace Resort war also unser „home“ oder besser unser „castle“ für die nächsten 2 Nächte. An diesem Abend legten wir uns gleich nach dem Abendessen, noch vor 21.00 Uhr zum Schlafen und waren beide innerhalb einer Minute weg.
Unser Hotel lag gleich am Rand der Altstadt von Bagan und unser Zimmer, bzw. Häuschen lag an einem künstlichen See mit ein paar Pagoden gleich dahinter, eine wunderschöne Aussicht.
Sai, unser junger lokaler Führer, holte uns bereits um 8.00 Uhr vom Hotel ab, er meinte, es sei besser, wenn wir früh starten und dafür eine Siesta machen. Sai brachte uns zudem die Nachricht, dass der Ballon an diesem Morgen, wegen des starken Windes, nicht hatte starten können. Wir waren wieder einigermassen versöhnt und liessen all unsere Änderungspläne sein. Es hat einfach nicht sein sollen.
Sai führte uns zuerst auf den Turm neben unserem Hotel, dessen Aussicht einen ersten kleinen Einblick über Bagan gab. Old Bagan ist seit etwa 20 Jahren ein UNESCO Weltkulturerbe, allerdings hat sich die UNESCO von den dringend nötigen Erneuerungsarbeiten zurückgezogen. Erst ca. 1990 wurden die noch verbliebenen Einwohner innert 14 Tagen nach New Bagan umgesiedelt.
Das Ausmass dieser Stadt, die im 11. Jahrhundert unter König Anawrahta zur Hauptstadt wurde, ist beeindruckend. Mit diesem König wurde fast eine neue Zeitrechnung begründet. Der König liess nicht nur die Epoche schriftlich dokumentieren, er besiegte auch das benachbarte Mon Volk und führte deren Buddhismus in Bagan ein und „übernahm“ auch die Künstler und Handwerker der Mon. Hinweise darauf gibt es in den Überbleibsel dieser Zeit viele. Sai zeigte uns die Eck-Bauwerke der früheren Stadt, die noch heute erhalten sind. Forscher schätzen, dass damals etwa 4000 Tempel und Pagoden bestanden, heute sind es noch ca. 2500, die in einigermassen gutem Zustand erhalten sind. Sai erklärte uns auch den Unterschied zwischen Pagoden und Tempel, in Pagoden waren - zumindest anfangs - Reliquien von Buddha eingelagert, während Tempel innen hohl sind und betreten werden können. Fast jedes der Bauwerke, die wir hier betrachteten oder betraten, war 900 oder mehr Jahre alt, ziemlich beeindruckend.
Der nächste Stopp war allerdings auf dem Markt von Neu Bagan. Das war ein Markt nach meinem Gusto, zwar waren ein paar Touris da und auch ein paar wenige Souvenirstände, aber der Hauptteil des Marktes war für die Einheimischen. Was es da nicht alles zu entdecken gab: Wachteleier, Enteneier, aber natürlich viele Gemüse, wie spezielle Auberginen, Kartoffeln, Tomaten, Chili und Kräuter, aber auch Fisch (nicht sehr appetitlich) oder burmesisches Make-up, das aus der Rinde des Thanaka-Baumes gewonnen wird. Immer wieder wurden wir von den Farben und Düften verzaubert.
In Neu Bagan beobachteten wir auch etwas den Verkehr. Es gibt hier die verschiedensten Transportmittel, angefangen von Lastwagen, die ihre Ladefläche nicht nur mit Gütern, sondern auch mit Menschen füllen, über Chinesische Traktoren, meist aufgebockt, da defekt, Autos, teilweise uralte Mazdas mit neuen Motoren (Kuba lässt grüssen), viele Motorräder, Fahrräder mit oder ohne Seitenwagen, wobei CDs als Behelfsrückstrahler verwendet werden, aber auch Pferdekutschen, die auch von Einheimischen gebraucht werden, und sogar Ochsenkarren. Zum Glück war unser Fahrer sehr gut, so dass er diesem Gewirr stets aus dem Weg ging.
Nun aber zurück zu den Sehenswürdigkeiten: Es galt die Schwezigon Pagode zu entdecken. Der Name ist mir wohl bekannt, schwärmt doch meine Mutter schon seit fast 25 Jahren, d.h. seit ihrer ersten Burma-Reise, die ich wegen eines Unfalls verpasste, von dieser Pagode. Sie war mir zwar etwas zu golden, aber trotzdem machte mir dieser Besuch einen grossen Eindruck.
Als nächstes bestiegen wir eine Pagode um wiederum die Aussicht zu geniessen: Auch hier galt es, trotz steiler Steintreppe, die mich etwas an Angkor Wat erinnerte, barfuss Treppen zu steigen. Diese Pagode war nicht unbedingt Amerikaner-tauglich, da auf der Plattform keine Geländer installiert waren und der Wind recht stark blies, Thomas hielt sich jedenfalls gerne an der Wand fest. Oben angekommen war die Aussicht noch grandioser als auf dem Turm, da alles so viel näher war.
Am Hilominlo Tempel konnten wir wiederum das Kunsthandwerk der Mon Künstler bewundern, einige Sandsteinverzierungen sind erhalten und konnten von der UNESCO restauriert werden. Sai, ein Buddhist, wie 85% seiner Landsleute, und selbst dreimal im Kloster, versuchte uns den Buddhismus näher zu bringen.
Auch in diesem Tempel waren 4 Buddha Statuen (fast hätte ich Statuten geschrieben, das geht mir geläufiger über die Tastatur :-)) einige ursprünglich, die mehr der indischen Tradition (Mandelaugen, durchsichtige Kleidung, Ohrläppchen nicht bis zu den Schultern) folgen und einige im späteren, burmesischen Stil geschaffene (feste Kleidung, Ohrläppchen bis zur Schulter etc.). Wir erfuhren über die ca. 550 Reinkarnationen von Buddha, die vielerorts für Illustrationen verwendet werden und dass diese aus der buddhistischen Literatur stammen und offenbar von den bisherigen 4 Buddhas erzählt wurden. Die Buddhisten warten - ähnlich wie die Christen - auf das Erscheinen des 5. Buddhas. - Anders als zum Beispiel in Angkor Wat leben diese Tempel und Pagoden, d.h. die Leute kommen nach wie vor hierher und beten und verzieren und verehren ihre Buddhas. In Angkor sind das schon nur noch historische Bauwerke und haben nichts heiliges mehr an sich.
Der Gubyaukbi Tempel von 1113 ist bekannt für seine Malerei. Es sind nicht Fresken, sondern es wurde auf eine trockene Mauer gemalt. Dieser Tempel wurde vor allem während des 2. Weltkrieges zerstört, als die Dorfbewohner dort Zuflucht suchten und auch im Tempel kochten. Die ganzen Malereien waren von einer Russschicht überzogen. Auch hier hat die UNESCO gewirkt und es wäre dringend nötig, dass wieder etwas gemacht wird, das ist aber nicht in Sicht. In diesem Tempel war fotografieren verboten und wenn man die fragilen Malereien sieht, hat man durchaus Verständnis dafür. Leider können nur die wenigsten Leute mit Fotoapparat mit ihrem Blitz umgehen, insbesondere ihn abschalten.
Es war Mittag und wir waren so müde, dass wir während der Fahrt einschliefen und die „versprochene“ Siesta kam zur rechten Zeit.
Am Nachmittag besuchten wir zuerst den Ananda Tempel und anschliessend erklommen wir eine weitere Pagode um den Sonnenuntergang zu beobachten. Den ganzen Tag waren nie viele Touristen um uns herum, es war sehr angenehm. Einzig hier auf der Pagode wimmelte es und so entschieden wir uns, den Untergang nicht abzuwarten, sondern schon zum Abendessen im Green Elephant zu fahren.
Dies war ein Restaurant direkt am Irawady Fluss und wir genossen die für uns zubereiteten Speisen.
Sai holte uns um 7.00 Uhr vom Hotel ab, unser Flug nach Mandalay sollte um 8.15 Uhr fliegen und flog auch dann. Bisher hatten wir nur pünktliche Flüge, was mich sehr erstaunte. Der Flughafen in Mandalay ist viel grösser und moderner als derjenige in Bagan, allerdings waren die Fingerdocks offensichtlich nicht in Gebrauch und die Gepäckförderbänder wurden zweimal von Stromunterbrüchen gestoppt, da waren die jungen Männer zuverlässiger.
Ich las im Vorfeld viel über die Spannungsschwankungen und die Schwierigkeiten bei der Stromversorgung. Tatsächlich erlebten wir das alles nicht ganz so dramatisch, wie es beschrieben wurde. Offenbar hatten die Hotels, in denen wir übernachteten, Generatoren, denn wir hatten dort kaum je Stromausfälle und meine elektronischen Geräte überstanden die Reise durch Burma unbeschadet. Würde man allerdings etwas mehr vom Touristenstrom abweichen, würde ich wohl einen Überspannungsschutz mitnehmen.
Yeeyee, unsere Führerin in Mandalay, holte uns am Flughafen ab und wir besuchten zuerst ein Kloster in Amarapura, einem Ort etwas südlich von Mandalay. In diesem Kloster war es uns Besuchern erlaubt, nicht nur den Mönchen beim Essen zuzusehen, sondern diese auch zu fotografieren. Es war - obwohl ausdrücklich erlaubt - ein komisches Gefühl und die wenigsten Mönche haben tatsächlich in die Kamera geschaut. Eindrücklich war aber, dass die Mönchen in absoluter Stille das Essen gefasst und gegessen haben, selbst die vielleicht 12jährigen Novizen. Da jeder buddhistische Junge mindestens einmal ins Kloster muss, gehören die Klöster zum Kulturgut dieses Landes und es ist nicht unüblich, Mönche und Nonnen auf der Strasse zu begegnen, besonders älteren Mönchen wird dann auch eine Wertschätzung entgegengebracht.
Das Kloster lag ganz nahe von der U Bein Brücke, einer der Sehenswürdigkeiten von Mandalay. Sie wurde im Jahr 1784 aus Teakholz gebaut und ist ca. 1,2 Kilometer lang. Offenbar wurde sie seither kaum restauriert und ist trotzdem ist einem sehr guten Zustand. Benannt wurde sie nach einem Bürgermeister mit Namen Bein, das U bedeutet Herr. Thomas fühlte sich heute nicht so besonders, aber ich liess es mir nicht nehmen, etwas über die Brücke zu schlendern. Da in Burma die Schulen Ferien hatten, war die Brücke zwar gut besucht, aber ich war als ausländische Touristin eine Exotin.
Anders als in Bagan, ist in Mandalay alles etwas weiter auseinander und es dauerte über eine Stunde, bis wir endlich im Hotel Sedona ankamen. Gegenüber dem Hotel in Bagan war dies ein eher unpersönlicher Kasten, dafür hatten wir beste Aussicht auf das Gelände des Königspalastes und auf den Mandalay Hill. Den Nachmittag verbrachten wir im Zimmer, wo ich mich von einem kleineren Hexenschuss erholen konnte und Thomas Magen konnte fast ungestört rebellieren, offenbar ist ihm das gestrige Essen weniger gut bekommen als mir
Zu Abend assen wir wieder in einem Green Elephant Restaurant, das ist offenbar hier eine Kette und diesmal ass Yeeyee mit uns. So erfährt man mehr über Land und Leute.
Damit wäre ein erster kleiner Exkurs zum Essen fällig: Der durchschnittliche Burmese geht vermutlich nicht in ein Restaurant, dafür reicht das Geld nicht. Es gibt aber an Ausflugsorten Imbissbuden, wo sich auch Einheimische verpflegen. Das sieht dann so aus, wie auf dem Bild Aber besonders in den Green Elephant Restaurants sei das Essen schon burmesisch, meinte Yeeyee. Es gab jeweils etwas zum Apéro, entweder Tempura oder Chips aus Bohnen, dann jeweils eine Suppe und danach das Hauptgericht, jeweils - zu meinem Entsetzen - Curry genannt. Das sind jeweils Fisch oder Fleisch (Rind, Huhn, Schwein oder sogar Mufflon) mit einer Sauce, dazu einen „Salat“, bestehend aus Bohnen oder Auberginen, unseren Salat mit Salatblättern habe ich nirgends gesehen und dazu natürlich eine Schale ungewürzten Reis. Ich verlange zum Reis jeweils Soyasauce und hier kommt diese zusätzlich gewürzt mit Chili und Knoblauch, eine teuflische Mischung. In Bagan war der Chili rot und damit meiner Meinung nach zwar scharf, aber durchaus essbar. Heute war grüner Chili in der Sauce. Ein Bissen davon und der ganze Mund brannte wie Feuer und die Poren öffneten sich und der Schweiss rann nur so an mir herab. Nichts schien die Schärfe zu entschärfen, auch nicht blosser Reis. Erst Wasserkresse mit Pilzen half etwas. Merke: vor grünem Chili muss man sich in Acht nehmen.
In Myanmar gibt es auch gutes Bier: Bisher haben wir zwei Sorten probiert: Mandalay und Myanmar Bier. Letzteres ist zu empfehlen. Die Flaschen sind gross, ca. 6.5dl und der Preis in den Ausländer-Restaurants ist mit 4$ recht stolz.
Um 7.30 Uhr holte uns Yeeyee vom Hotel ab und wir fuhren zu einer Goldplättchen-Fabrik. In mühsamster Handarbeit wird hier Gold in kleine Plättchen geklopft.
Auf dem Bild ganz rechts bereitet sich ein "Hammermann" auf seinen Einsatz vor. Man beachte die speziellen Beinkleider Longyi genannt, die von vielen Burmesen nach wie vor getragen werden und die mir sehr praktisch erschienen.
Die Goldplättchen werden dann bei Pagoden und Buddhas verkauft. Es soll Glück und Erfolg bringen, wenn Gläubige diese Plättchen an Pagoden oder Buddha-Statuen anbringen. Ich habe Yeeyee, die als Katholikin zum Buddhismus konvertiert hatte, gefragt, ob es denn nicht besser wäre, wenn man das Geld statt für Gold auszugeben, den Armen geben würde. Sie verstand meine Frage nicht und das war dann quasi schon die Antwort: Burmesen und besonders Buddhisten denken völlig anders als wir Westler.
Es steht mir zwar nicht zu, nach einem Besuch von nur 8 Tagen in diesem Land eine politische Meinung dazu zu haben. Trotzdem scheint es mir, dass der hier praktizierte Buddhismus ein Hauptgrund dafür ist, weshalb sich dieses Land nicht gegen die Militärjunta, die es so zu Grunde richtet, wehrt. Wenn unsere Führer das richtig einschätzten, dann ist eine überwältigende Mehrheit in diesem Land (einer sprach von über 80%) für eine Wende und für Aung San Suu Kyi, von den Burmesen übersetzt „Lady“ genannt, die Friedensnobelpreisträgerin, die erst im Herbst 2010 aus dem Hausarrest entlassen worden ist. Seit dem Mönchsaufstand von 2007, der zugegeben sehr blutig beendet worden ist, ist nichts weiter passiert, das zur Wende führen würde. Wenn doch eine so grosse Mehrheit für eine Wende ist, weshalb erheben sich denn "nur" 100'000 der 50 Mio. Einwohner?
Ich glaube, der Buddhismus als friedliebende Religion und mit den Lehren, wonach Leiden zum Leben gehört und dass alles vorbestimmt sein soll und nur durch Beten und Opfergaben positiv beeinflusst werden kann, unterstützt diese Wende nicht. Natürlich ist das alles vereinfacht, aber halt mein Eindruck von diesem kurzen Besuch.
Immerhin gibt es seither Fortschritte: In Myanmar ist es nun erlaubt, neben den beiden staatlichen TV Sendern, Satellitenempfänger zu installieren und damit nicht nur BBC und CNN, sondern sogar die Deutsche Welle, empfangen. Wie viele Leute davon Gebrauch machen, weiss ich nicht, von unseren Führern sicher Jack aus Yangon, aber zumindest besteht für die Leute eine alternative Informationsmöglichkeit.
Anschliessend fuhren wir zum Ayeyarwady Fluss (früher Irawadi genannt), wo wir ein Boot für uns allein hatten, das uns zum Dorf Mingun brachte. Auch das keine „Amerikaner-taguliche“ Aktivität, denn die Planken, auf denen wir zum Schiff balancierten, sahen nicht wahnsinnig stabil aus. Ein Handlauf aus einem Bambusrohr und zwei Bootsbesatzungsmitglieder als Verankerung liess die Sache nicht wirklich sicherer werden. Ich wollte deren Standfestigkeit nicht prüfen und balancierte sorgfältig über den behelfsmässigen Steg. Die etwas mehr als einstündige Bootsfahrt war sehr angenehm, da der Fahrtwind kühlte. Der Fluss war nicht so stark befahren, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber da waren Lastkähne, Fischerkanus und Personenschiffe, teilweise mit schwarzen Abgaswolken am Heck. Luftverschmutzung ist hier kein grosses Thema.
In Mingun besuchten wir die riesige, aber unfertige Mingun-Pagode , ein weiteres Zeichen, dass der Gigantismus der Menschen nicht unbedingt zum Erfolg führt. Die fast 90t schwere Glocke und die Pagode der 7 Wellen waren die weiteren Sehenswürdigkeiten, bevor wir - nun flussabwärts - viel schneller zurück nach Mandalay fuhren.
An Marmorbildhauer Werkstätten vorbei, fuhren wir zum goldenen Buddha in der Mahamuni Pagode. Der Buddha wird als lebender Buddha verehrt und ihm wird täglich das Gesicht gewaschen und die Zähne geputzt. Hier werden die Goldplättchen besonders gebraucht. Der Körper des Buddhas ist bereits mit einer Schicht von 10-15cm Gold bedeckt. Allerdings dürfen sich ihm nur Männer nähern und Gold anbringen, wie unfair.
Die letzte Station vor der Siesta war bei einer Holzschnitzerei- und Stickereifabrik. Die Kunsthandwerkgegenstände, die dort geschnitzt werden, sind von ausserordentlicher Qualität und auch die Stickereien waren sehr schön. Mandalay ist DAS Zentrum der Handwerkskunst.
Am Nachmittag blieb noch der Besuch eines Zimmers des Königspalastes. Der Königspalast, auf dessen Mauer und Wassergraben wir von unserem Hotelzimmer Aussicht hatten, ist vollständig abgebrannt. Der letzte König Thibaw Min liess aber dieses Zimmer seines Vaters Mindon Min ausserhalb der Mauern verlegen und so überstand es das grosse Feuer. Es war ein massiver Holzbau, voll verziert mit Schnitzereien, die teilweise vergoldet waren. Auch da wieder, eine beeindruckende Handwerkskunst.
Nur um die Ecke fand sich das grösste Buch der Welt, über 700 Steinplatten, deren Vor- und Rückseite mit der buddhistischen Literatur beschriftet war, jede der Steinplatten in einer eigenen, kleinen Pagode. So verteilte sich dieses Buch auf eine ziemlich grosse Fläche. Die Anlage erinnerte mich an den Stelenwald in Xi‘an, China, mit dem die Schriften von Konfuzius erhalten werden konnten.
Wir fuhren weiter auf den Mandalay Hill, der einen schönen Überblick über die Stadt bot und wollten den Sonnenuntergang beobachten. Vorher zeigte uns Yeeyee aber noch einen Buddha, der in die Ferne blickte, eine seltene Position und sie insistierte, dass wir uns den anschauen mussten. Wir hatten dann doch nicht die Geduld, bis zum Sonnenuntergang zu warten, abgesehen davon, dass eine Wolkenbank über dem Horizont dieses Spektakel verhinderte, so dass wir gleich zum Essen in einem lokalen Restaurant fuhren.
Schon der Anflug auf Helo, dem Flughafen in der Nähe des Inle Sees, zeigte uns, dass auch hier wieder alles anders war. Sowohl Bagan als auch Mandalay sind sehr trocken und flach, der Inle See hingegen liegt zwischen zwei Gebirgszügen und die Vegetation ist sehr grün, so dass man auf ein sehr fruchtbares Land schliessen kann. Zudem liegt der See auf über 800 Meter über Meer und es kann hier auch mal kühl werden. Im ungeschützten Kanu auf dem Wasser merkte man davon allerdings wenig.
Male, unsere lokale Führerin, holte uns am Flughafen ab und wir fuhren im - wie üblich sehr kleinen - Auto über einen Gebirgszug in Richtung See. Die Knoblauchernte war in vollem Gange und überall kamen uns Gefährte mit Knoblauch entgegen. Die Berge sind so steil, dass für die Eisenbahn eine Schlaufe gebaut werden musste (seinerzeit durch die Briten), die das Gefälle etwas entschärfte. Täglich fährt hier je ein Zug in jede Richtung vorbei.
Unterwegs hielten wir bei einem Schirmmacher und wir waren beeindruckt von seiner handwerklichen Fähigkeiten. Nicht nur der Schirm, auch das Papier für den Schirm wurde hier selbst hergestellt, teilweise auch wasserfestes Papier. Bei den Drechslerarbeiten an der fussbetriebenen Drehbank fragte ich mich, was wohl meine frühere Mitarbeiterin, die jetzt Drechslerin ist, dazu sagen würde. Die Bedienung mit dem Fuss macht die Sache wohl noch eine Stufe schwieriger. - Wir hielten auch noch bei einem alten Kloster an, in dem wir Glasmosaike bewundern konnten.
Gegen Mittag kamen wir in Nyaung Shwe an, dem Eingangstor zum Inle See. Unser ganzes Gepäck wurde auf ein motorisiertes Kanu verladen, das in den nächsten 2 Tagen unser Fahrzeug sein sollte. Erneut war ich froh, dass wir einen Teil des Gepäcks in Yangon gelassen hatten...
Die Kanus waren so um die 8 Meter lang, vielleicht 1.5 Meter breit und hatten einen extrem lauten Motor, ich glaube chinesischer Bauart (alles was in diesem Land laut war, war chinesisch :-)). Während der Fahrt war eine Unterhaltung nicht möglich. Auf dem Boden standen drei Stühle für uns bereit, alle ausgerüstet mit einem Schirm (gegen Regen und Sonne) und einer Wasserflasche. Die Fahrten im Kanu waren also sehr angenehm.
Nach einer halben Stunde durch einen Kanal und durch Kanälchen im hohe Grass stoppte unser Kapitän den Motor und nahm einen Ruderer an Bord. Für die letzten paar hundert Meter vor dem Hotel waren Motoren verboten und wir machten erstmals Bekanntschaft mit der Bein-Paddeltechnik, für die der Inle See so bekannt ist. Mit kräftigen Paddelstössen ging es nur wenige Minuten, bis wir an der Anlegestelle des Princess Inle Resort ankamen.
Wie überall wurden wir auch hier mit einem Erfrischungstuch und einem Getränk begrüsst und nach dem Check-in bezogen wir unser Zimmer. Auch diesmal wieder ein eigenes Häuschen, etwas erhöht gegenüber dem gewachsenen Boden, mit einer Terrasse direkt über dem See. Das Zimmer war geräumig. Ein paar Treppenstufen runter befand sich das Badezimmer mit einer indoor Badewanne / Dusche und einer Dusche unter freiem Himmel. Die fand ich ganz toll. - In den meisten Kommentaren auf TripAdvisor heisst es, wie kalt es hier beim Inle See sei und wie gut, dass die Moskitonetze die Wärme etwas im und ums Bett bewahre, bei uns war das anders: Das Moskitonetz hielt uns nicht nur warm, sondern war viel zu heiss. Da kaum Moskitos herumschwirrten, schliefen wir in der zweiten Nacht ohne Netz.
Male gab uns eine Stunde um uns zu organisieren und anschliessend fuhren wir mit dem Kanu los um den See zu erkunden. Unser Hotel lag fast am Nordende des Sees und unser heutiges Ziel waren die Dörfer am südlichen Ende, etwas mehr als 20 km weit weg und es dauerte eine gute Stunde bis wir dort eintrafen. Allerdings brausten wir nicht einfach so über den See, sondern unser Fahrer hatte ein gutes Gespür, wo wir etwas länger verweilen wollten. Auch mitten auf dem See (er ist bis zu 10 km breit) trafen wir auf Fischer in ihren Kanus, die allein mit ihrer Muskelkraft die Distanz zum Ufer ruderten. Es gab zwei Hauptarten der Fischerei: Einerseits die traditionelle Art mit den Netzten und diejenige mit einem Korb. Da der See nur wenige Meter tief war, stülpt der Fischer den Korb über einen Teil des Bodens und versucht so eingeschlossene Fische mit dem Speer zu erlegen. Wir haben allerdings keinen erfolgreichen Versuch mit dieser Taktik erlebt.
Wir näherten uns den Dörfern am südlichen Seeende. Die Häuser sind alle auf Stelzen gebaut, teilweise aus Holz, teilweise aus Bambusmatten. Auch die Dächer sind unterschiedlich, man sieht die traditionellen Bambusdächer, aber auch Wellblech. Die Dörfer am Inle See sind so, dass in jedem Dorf die gleichen Handwerke ausgeführt werden.
So besuchten wir zuerst das Bootsbauerdorf, wo wir verschiedenen Bootsbauer bei der Arbeit zuschauen konnten.
Dann schauten wir bei den Weberinnen hinein, die an grossen Webstühlen, wie meine Mutter früher einen hatte, wunderbare Stoffe webten. Eine Frau zeigte uns, wie aus der Lotuspflanze Fasern für Faden gewonnen werden konnten. Eine mühselige Arbeit und man versteht, weshalb dieser Lotusstoff wesentlich teurer als Seide zu stehen kommt.
Anschliessend schauten wir noch bei den Schmieden rein. Fünf Männer waren damit beschäftigt, ein Werkstück zu bearbeiten, einer betätigte an langen Stöcken, d.h. mit den Armen, zwei Blasebälge um das Feuer so heiss wie möglich zu machen, einer war für das Werkstück verantwortlich und entschied, wann dieses aus dem Feuer geholt und wie es behauen werden soll und drei Männer waren die Ausführenden mit ihren schweren Hammer.
Wir fuhren weiter an anderen Dörfern vorbei zu den schwimmenden Feldern, wo besonders Gemüse und Früchte angebaut werden. Die Grundlage der Felder werden aus Wasserhyazinthen gelegt, auf die Erde und Sumpf aufgebaut werden. So entstehen ca. 10 Meter lange und 1 Meter breite Bahnen mit höchst fruchtbarem schwimmenden Feldern, die mit Bambuspfählen am Boden verankert werden. Ein solches Feld kann während 10 bis 15 Jahren genutzt werden. Hier wurde mir bewusst, wie sehr sich das Leben hier auf dem See abspielt, alles wird vom Kanu aus erledigt: Pflanzen, jäten, ernten. Die schwimmenden Felder werden mit „Gartentoren“ geschützt, was aber unseren Fahrer nicht davon abhielt, ein paar Tomaten für das Abendessen mitgehen zu lassen. Die reifen Tomaten waren sehr „amächelig“.
Die Wasserhyazinthen sind, wenn ich das richtig verstanden habe, nicht ursprünglich in diesem See heimisch und sie wurden für die Feldernutzung eingeführt. Allerdings ist die Pflanze so erfolgreich, dass sie droht den See zu überwuchern. Die Geister, die ich rief...
Wir machten uns auf den Rückweg und genossen den Sonnenuntergang über dem See. Hier gelang mir dieses Foto.
Zum Abendessen bestellten wir das Shan Menu, Shan ist der Staat, in dem wir uns befanden und so heisst auch ein Volksstamm, der hier heimisch ist. Das Essen wurde auf einem Lackteller mit Unterteilungen, ähnlich unserer Fondue Chinoise Teller, serviert und schmeckte ausgezeichnet. Besonders das Hühnchen mit Cocosmilch im Bananenblatt hatte es mir angetan, aber auch die anderen Speisen waren ausgezeichnet.
In der Bar, wo wir uns nach dem Essen zurückzogen, entdeckte Thomas ein Schachspiel und kein normales, sondern ein „Floating Chess Board“. Dazu muss man wissen, dass floating chess eine Märchenbedingung ist, fragt Thomas, wenn ihr mehr darüber wissen wollt. Dieses Brett hatte 64 Gefässe, die mit Wasser gefüllt waren, in die man die Figuren schwimmend einsetzte. Ich versuchte das Brett fotografisch einzufangen, es war aber nicht einfach.
Der Barkellner hatte grad wenig zu tun und setzte sich zu uns und lehrte Thomas burmesisches Schach, eine Art Dame auf einem 10 x 10 Brett, wobei die Steine aus Elefanten bestanden. Mitten im Spiel fing plötzlich die Erde an zu beben, nicht sehr stark, aber doch gut spürbar und so lange, dass man sich schon langsam überlegte, was denn zu tun wäre. Der Kellner war aber genau so ahnungslos wie wir und glücklicherweise war es dann auch vorbei, ohne dass irgendwelche Schäden ersichtlich gewesen wären. Wir hätten nie geglaubt, dass dieses Beben bis in die Medien in Mitteleuropa gespürt werden konnte, hatten wir doch am Inle See weder TV noch Internet. Erst zurück in Yangon konnten wir daheim Entwarnung geben.
Als erstes fuhren wir auf die Westseite des Sees zu einem 5-Tage-Markt. Das bedeutet, dass in diesem Dorf alle 5 Tage Markttag ist (jeden Tag ist irgendwo 5-Tage-Markt) und die Leute aus den Gebirgsdörfern und -stämmen kommen auf den Markt, verkaufen ihre Waren und decken sich für die nächste Zeit ein. Von der Kleidung der Leute kann man auf deren Herkunft schliessen, sie tragen so etwas ähnliches wie eine Tracht. Es gab auch Leute aus dem Stamm, dem auch Male angehört, aber der Stamm zählt gegen 1 Mio. Mitglieder, so dass sie keine bekannten Gesichter traf.
An der Anlegestelle vor dem Markt war ein Riesenstau, aber unserer Fahrer hatte Glück und wurde an die Ausstiegsstelle „gespült“ und wir waren im Nu an Land. Die Menge an Kanus war aber beeindruckend. Wir fingen beim Fischmarkt an, da dort am schnellsten Schluss ist, da die Fische sonst verderben. Wir konnten uns überzeugen, dass tatsächlich Fische gefangen wurden.
Auch dieser Markt war wieder nach meinem Geschmack und ich habe versucht die Farben, Gerüche und Atmosphäre nicht nur auf Fotos zu bannen, sondern in mich aufzusaugen. Auch wenn der Markt ein Touristenmagnet ist, so ist er nach wie vor authentisch und dient in erster Linie den Einheimischen Handel zu treiben. Die Leute aus den Gebirgsdörfern sind manchmal stundenlang zu Fuss unterwegs um zum Markt zu gelangen und der Markt ist noch ein Ereignis.
Da viele Leute von weit weg kamen, gab es auch Möglichkeiten, sich zu verpflegen. Links auf dem Bild verkaufte eine Frau gekochten Reis in Bananenblättern. Eine andere Frau buk Waffeln auf Kohleglut. Das sah sehr lecker aus, ich wagte es aber nicht, hier etwas zu probieren.
Nach dem Markt bestiegen wir wieder unser Kanu und fuhren einen Fluss hinauf, was über mehrere Staustufen führte, zur nächsten Sehenswürdigkeit, der Shwe Inn Tein Pagode. Allerdings ist die Einzahl hier völlig falsch, es sind wohl hunderte von Stupas auf diesem Areal zu finden (irgendwo habe ich gelesen, dass es 1‘054 Stupas sind), teilweise stark verfallen, teilweise neu - und natürlich golden - renoviert. Mir gefielen die verfallenen besser als die renovierten, warum wohl? Die Frage, weshalb so viele Pagoden errichtet worden sind, konnte Male so beantworten, dass viele Leute dankbar waren und es sich leisten konnten, die Stupas zu bauen, wiederum in der Hoffnung auf ein besseres nächstes Leben, bzw. auf das Nirwana.
Wir besichtigten dann noch das Kloster Nga Phe Kyaung, das für seine durch reifen springenden Katzen bekannt war. Wir waren dann müde genug um zurück ins Hotel zu fahren.
Am Abend genossen wir nochmals das Shan Menu und anschliessend lehrte Thomas dem Kellner unser Schach.
Male schlug vor, an diesem Morgen noch einen Markt zu besuchen. Der war etwas kleiner als der gestrige, aber nicht minder authentisch. Wir unterhielten uns über Male mit einem Ehepaar, das Reis verkaufte. Sie erzählten uns, dass sie auch Reis anbauten, aber auch Handel betrieben und sie interessierten sich dafür, ob wir denn auch täglich Reis essen und was denn sonst unsere Hauptnahrungsmittel wären. Reishändlers waren aus Nyaung Shwe, dem Tor zum Inle See, und verfügten über einen chinesischen Traktor um auf den Markt zu fahren. Der Markt war eine gute Traktorstunde von Nyaung Shwe weg, es gibt also auch Strassen.
Dieser Markt war im Dorf der Snack Hersteller und Male führte uns in ein paar Privathäuser, wo aus Reis oder Bohnen Snacks hergestellt wurden, süsse und salzige. Da wurde der Reis geklopft, andernorts wurde die Bohnenmasse in einer Art Vermicelles Maschine in heisses Öl gedrückt und so dünne, knackige Snacks gebacken.
Auch die dünnen Reisfladen oder an der Sonne getrocknete Süssigkeiten wurden hier hergestellt. Es war alles sehr geschäftig, da offenbar am nächsten Tag ein grosser Markt war.
Dann hiess es Abschied nehmen vom See. In Nyaung Shwe hielten wir noch an einem Frauenkloster an. Die Nonnen sind, anders als die Mönche, ausschliesslich in pink gekleidet und haben ebenfalls den Kopf rasiert. Die Oberin, eine etwa 70jährige Nonne, die seit über 50 Jahren im Kloster lebte, begrüsste uns freundlich und wir wurden mit Tee und Saft bewirtet. Auch hier wurde uns wieder die Wertschätzung gegenüber den Mönchen und Nonnen gezeigt, in dem Male den Nonnen eine Opfergabe überreichte.
Auf der Rückreise zum Flughafen erfuhren wir noch etwas mehr von Male: Sie ist 39jährig und hat eine 8jährige Adoptivtochter, weil sie leider keine Kinder haben kann. Wenn sie nicht Reiseführerin ist, dann unterrichtet sie Kinder in der englischen Sprache und das ohne Entgelt. Sie war schon in der Schweiz (sie wurde von Kunden eingeladen) und hatte auch schon den Bärengraben besucht. Sie wunderte sich, dass wir nicht verheiratet waren und wagte sich zu fragen, weshalb dem so sei (nachdem ich sie nach ihrem Alter gefragt hatte :-)).
Erstmals war der Flug etwas verspätet und es war schon dunkel als wir in Yangon eintrafen. Bei der Zwischenlandung in Mandalay fiel mir ein Flugzeug der Edelweiss Air auf, es kamen fast heimatliche Gefühle auf. Jack nahm uns am Flughafen in Empfang und führte uns in unsere Hotel „The Governors Residence“. Die Mitarbeiter hatten uns nicht vergessen und unsere 6 Tage zuvor hier deponierten Koffer waren bereits in unserem Zimmer.
Da wir einen Teil der Besichtigungen schon eine Woche zuvor gemacht hatten, konnten wir diesen Tag etwas ruhiger angehen. Wir besuchten zuerst die Sule Pagode und Jack erklärte uns bei der Besichtigung die Bedeutung der Wochentage, an denen jemand geboren ist. Er habe sich in seine Frau verliebt ohne zu berücksichtigen, dass sich sein Samstag nicht mit dem Mittwoch seiner Frau vertrage und darunter leiden sie heute noch. Bei dieser grossen Pagode hat jeder Wochentag einen eigenen Alter zum Beten, so treffen sich die Leute, die am gleichen Wochentag geboren sind und damit besonders kompatibel sind (BTW, Thomas und ich sind beide Sonntagskinder :-)). In der Sule Pagode gibt es auch eine kleine Seilbahn, auf der man einen Wunsch deponieren und näher an Buddha in die Höhe senden kann, so fast ein Prinzip Klagemauer.
Buddha’s First Sacred Hair Relic Pagoda war wiederum ein Traum in Gold. Leider waren die Schlangen zu lang um das Buddha Haar zu besichtigen. Der nächste Halt war ein Hindu Tempel, in den Jack nicht mitkommen wollte. Mir scheint aber, dass Hinduismus und Buddhismus nicht so weit auseinanderliegen.
Wir schlenderten dann durch ein paar Strassenzüge und landeten wieder einmal auf einem Strassenmarkt, auch wieder viel mehr für die Einheimischen als für uns gedacht. Die unterschiede zwischen Stadt und Land waren vors allem beim Fleisch ersichtlich. Auf den Landmärkten haben wir zwar Fisch, aber nur wenig Fleisch gesehen, das war hier anders.
Vor dem Mittagessen besuchten wir noch die Royal Bark auf dem Royal See ein vergoldetes Schiff, das als Restaurant und Kongresszentrum dient.
Als Wiedergutmachung für die vergessene Ballonfahrt lud uns Asian Trails zum Mittagessen ein. Nicht dass wir das Essen nötig gehabt hätten, mit Halbpension hatten wir mehr als genug, nahmen wir das „Friedensangebot“ gerne an. Anschliessend genossen wir ein paar Stunden Siesta.
Der Höhepunkt des Besuches in Yangon war die Schwedagon Pagode, auch das war für mich schon seit der ersten Reise meiner Eltern nach Burma ein Begriff und war ein spezieller Moment für mich. Diese Pagode ist fast 100 Meter hoch und man schätzt, dass ca. 70 Tonnen Gold an der Pagode angebracht sind. Ketzerisch denke ich da wieder an die über 3 Mia. Franken, die in einer Volkswirtschaft wie Myanmar wohl sinnvoll eingesetzt werden könnten, aber da denke ich wieder viel zu westlerisch.
Wenn man das Bauwerk heute so betrachtet, kann man kaum glauben, dass die erste Pagode hier schon vor mehr als 2500 Jahren gebaut worden ist. Wie lange die Pagode in ihrer heutigen Ausgestaltung besteht, habe ich nicht in Erfahrung gebracht. Es ist auf alle Fälle ein beeindruckendes Bauwerk und wir brauchten etwa eine Stunde um es zu umrunden und viele Nebenpagoden und Buddhas zu bewundern. Wir wurden auch Zeugen einer Reinigungsaktion. Da waren wohl so um die 100 Leute mit Besen bewaffnet, die in verschiedenen Reihen eine Art Reinigungsprozession durchführten. Wie viel Dreck tatsächlich entfernt wurde, weiss ich allerdings nicht.
Zum Abschluss der Burmareise besuchten wir das Restaurant Le Planteur offenbar das beste in Yangon. Der Chef ist Schweizer (war nicht da), der Koch Franzose und die sonstigen Mitarbeiter Burmesen. Das Essen war eine Verbindung zwischen europäischer und asiatischer Küche und schmeckte ausgezeichnet. Auf der Fahrt zum Restaurant hielten wir noch kurz um dieses Foto zu machen, allerdings zum Missfallen einer Polizeistreife.
Dieser Tag ist rasch erzählt. Um 7.00 Uhr holte uns Jack im Hotel ab, der Flug ging pünktlich um 9.30 Uhr, 2 Stunden Flug, 4 Stunden Aufenthalt in Bangkok, 3 Stunden Flug, 3 Stunden Aufenthalt in Hong Kong, 4 Stunden Flug und dann noch 3.5 Stunden Zeitdifferenz...
Ende des 1. Teils